Rundgang durch die Christuskirche

... in Kassel auf der Baunsbergstr. 11

Von Karl Apel, mit Ergänzungen von Barbara Heller und Martin Wortmann

Hauptportal Christusfigur Im Innern Gedenktafel Trägerbalken Kanzel Triumpfbogen Altar Taufstein Kreuz Sakristei Kaiserloge Orgel Turm Glocken Turmuhr Luthereiche

 

Grundriß Christuskirche Ein Mausklick auf die Ziffern auf dem Grundriß gefällig?

Hauptportal

Das Hauptportal (1) steht in einem Rundbogen mit eingearbeitetem Rosenstrang; unter ihm läuft eine Zierleiste in Form eines Eierstabes. Über der Mitte und an den Seiten erscheinen drei Kinder- oder Engelköpfe. Die Rose wird als Symbol der Ewigkeit oder des Rätselhaften und Geheimnisvollen verstanden. In der Frühzeit des Christentums galt sie als ein Sinnbild des Paradieses oder auch des Martyriums der Kirche. Sie erinnert hier an das Lutherwappen mit dem Sinnspruch: "Des Christen Herz auf Rosen geht, wenns mitten unterm Kreuze steht." Die Kinderköpfe sind mit den Bibelstellen zu deuten: Lukas 20,36 "sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder" und Hebräer 12,5 "der zu euch redet als zu den Kindern". Beachtenswert sind die Eisenbeschläge am Hauptportal wie auch an den anderen Türen. Das Motiv der Rose taucht auch hier auf.

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Christusfigur

Im Vorraum der Kirche steht an der linken Seite eine Kopie der Christusfigur (2) des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen (1768 oder 1770 bis 1844). Thorwaldsen (auch Thorvaldsen) gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus. Den später auch andernorts mehrfach kopierten "Segnenden Christus" schuf er 1827 für die Frauenkirche in Kopenhagen. Die Figur stellt Jesus dar, wie er die Segensworte spricht (Mt 11,28): "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Wie der Bildhauer selbst sagte, soll sie ausdrücken, "dass Christus die Menschen liebt und sie umarmt, so wie ich mir seinen Hauptcharakter gedacht habe". Die Kasseler Kopie wurde 1903 von Arthur Trebst (1861 bis 1922) in Leipzig aus französischem Champagnerkalk gearbeitet und zur Einweihung von dem Wahlershäuser Arzt und Kurdirektor Moritz Wiederhold gestiftet. Die Figur stand bis 1953 im Inneren der Kirche, rechts am Triumphbogen.

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Im Inneren zeigt der Grundriss der Kirche im Allgemeinen die Form einer dreischiffigen Basilika; über dem vorderen Joch der rechten Seite ist die Kaiserloge bis unter das Gewölbe des Hauptschiffes hochgezogen. Die Kreuzgewölbe werden von drei Gurtbögen gehalten. In den Schlusssteinen erkennen wir Eichenblätter, Akanthusblatt und Weinrebe. Unter den Kämpfern der Gurtbögen sind Symbole eingearbeitet, rechts Kreuz in lateinischer Form und Akanthusblatt, links Kelch und Blumen; im Altarraum links Weinreben, rechts Ähren. Soweit sie an Brot und Wein im Abendmahl erinnern sollen, sind sie jeweils auf der falschen Seite.

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Auf der rechten Seite der Kirche befindet sich hinten die Gedenktafel (3) für die Gefallenen der Gemeinde aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die Ausführung erfolgte 1951 in Kratzputztechnik nach einem Entwurf des Kasseler Grafikers Professor Alfons Niemann (1886 bis 1968). In der Mitte steht eine Christusfigur als guter Hirte.

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Kirchenbänke und Orgelempore

Bemerkenswert sind die Holzschnitzereien an den Wangen der Kirchenbänke: Rose, Lilie und wieder das Akanthusblatt. Auch die 15 hervorragenden Trägerbalken (4) der Orgelempore sind vom Holzschnitzer mit vier Eulenköpfen, vier Frauenköpfen, vier Löwenköpfen und drei Teufelsköpfen gestaltet.

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Kanzel

Die Kanzel (5) ist in ihrer Gestalt unverändert von 1903. Ihre Bemalung dagegen erfolgte erst 1952 nach Entwürfen des Offenbacher Zeichners Rudolf Koch (1876 bis 1934). Sie zeigt das Kirchenjahr mit Symbolen an: der Stern für Advent und Weihnachten; die Schlange für Passion und Ostern; das Jerusalemkreuz für Pfingsten; drei ineinandergefasste Ringe für die Trinitatiszeit (Dreifaltigkeit). Am unteren Rand stehen die Worte: "Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker".

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Triumpfbogen

Der Triumphbogen (6) wurde ebenfalls 1952 mit Symbolen von Rudolf Koch geschmückt: links Taube (Sinnbild des Heiligen Geistes) und Dornenkrone (Symbol für das Leid Jesu), in der Mitte Triumphkreuz; rechts Kelch mit Oblate und Anker (Abendmahl und Hoffnung). Zwischen den Symbolen läuft eine Ornamentlinie: "Ohne Anfang ohne Ende" steht sie für die Ewigkeit.

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Altar

Der Altar (7) besteht als Abendmahlstisch aus einer frei auf zwei Wangen aufliegenden Sandsteinplatte. Kaiserin Auguste Viktoria stiftete zur Einweihung im Jahr 1903 eine kunstvoll gearbeitete Altarbibel mit der Widmung: "Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig"; sie wird jedoch nicht in der Kirche, sondern im Archiv verwahrt.

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Taufstein

Der Taufstein (8), nach einem Entwurf des Kasseler Malers Johannes Reinhold (1898 bis 1983) gearbeitet, kam ebenfalls erst 1952 in die Kirche. Er enthält als einziges Symbol an allen vier Seiten einen Fisch, das Geheimzeichen der verfolgten Christen in Rom.

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Das Kreuz (9) im Altarraum wurde im Zuge der Renovierung 1952 aufgestellt - in Anerkennung der während des Dritten Reiches entstandenen bitteren Schuld und als Zeichen des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist aus Spessarteiche und hat eine Höhe von 6,50 Metern.

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Die Sakristei (10) an der nördlichen Seite mit Eingang zum Altarraum dient gelegentlich auch als Raum für Taufen und Trauungen im kleinen Rahmen. Sie ist mit einem Holzaltar und einem Wandkreuz (1964) von Gotthold Schönwandt (1921 bis 1976) ausgestattet. An der gegenüberliegenden Wand hängen Fotos der bisherigen Pfarrer der Christuskirche.

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Krone

Die Kaiserloge (11) erreichte man früher durch eine besondere Tür von der Landgraf-Karl-Straße aus, heute auch durch einen Seitenausgang der Kirche. Über ihr ist heute noch die Kaiserkrone sichtbar; auch das Gitter des Treppenaufgangs ziert ein mächtiger, handgeschmiedeter Kaiser-Adler. Im großen Rundfenster ist als kleiner Rest des ursprünglich bunten Glases noch das preußische Wappen erhalten. Ebenso sind die beiden Stühle für das Kaiserpaar mit ihren Wappen geschmückt. Wilhelm II. nutzte das nahegelegene Schloss Wilhelmshöhe als Sommerresidenz, die Christuskirche hat er allerdings nie besucht.

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Orgel

Die Orgel (12) wurde 1961 durch die Firma Werner Bosch, Sandershausen bei Kassel, als dreimanualiges Werk mit 31 Registern gebaut. Die im Prospekt der Orgel sichtbaren Pfeifen sind nur ein kleiner Teil des eigentlichen Werkes. Die meisten Pfeifen stehen hinter dem Prospekt. Jedes Register ist einzeln spielbar und mit jedem anderen zu kombinieren, woraus sich immer neue Klangfarben ergeben. Die Zahl der Registerkombinationen geht in die Million, weshalb man auch nach jahrelangem Hören des Instrumentes kaum sagen kann, man kenne es ganz und gar. In der Orgel sind etwa zwanzig verschiedene Hölzer verarbeitet. Die Holzflöten sind aus deutscher Eiche und afrikanischem Mahagoni.

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Glocke

Der schlanke Turm (13) ragt seitlich aus der westlichen Giebelwand empor. Heinrich Bertelmann hat ihn in seinem Buch "Hessische Höhenluft" erwähnt. Von ihm hat man eine herrliche Aussicht auf das Kasseler Becken und die Höhen der Söhre, des Kaufunger- und des Reinhardswaldes. Der Turm hat eine Gesamthöhe von 53,75 Metern. Seine Spitze musste 1966 völlig erneuert werden. Ein Spezialkran brachte das vorgefertigte, drei Tonnen schwere Holzwerk auf den Turmstumpf.

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Glocke

Unter der Türmerstube sind drei Stahlgussglocken untergebracht, im August 1903 in Bochum gegossen. Sie haben Namen aus l. Korinther 13, 13: Glaube, Liebe, Hoffnung. Es ist ihre Aufgabe, mit ihrem Geläut den Gottesdienst einzuleiten, das Gebet zu begleiten und als kultisches Ausdrucksmittel die Menschen zur inneren Einkehr zu rufen. Die größte Glocke wiegt 1700 Kilogramm; sie hat den Ton D und als Zeichen für den Glauben ein Kreuz. Die mittlere Glocke mit einem Gewicht von 1400 Kilogramm hat den Ton Fis und als Zeichen für die Liebe ein brennendes Herz. Die kleine Glocke schließlich hat einen Anker als Zeichen für die Hoffnung; sie wiegt 800 Kilogramm und hat den Ton A. Morgens, mittags und abends läutet die mittlere Glocke (Liebe) zum Gebet. Bei Trauungen und beim Vaterunser, sowie bei der Einsegnung der Konfirmanden erklingt die kleine Glocke (Hoffnung). Die große Glocke (Glaube) wird allein zur Beerdigung auf dem alten Wahlershäuser Friedhof geläutet. Das Einläuten des Neuen Jahres, des Sonntags am Samstagabend und der Gottesdienste erfolgt durch das volle Geläut. Ursprünglich wurden die Glocken mit der Hand geläutet; 1910 erhielten sie einen elektrischen Antrieb.

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Die frühere, aus dem Jahr 1903 stammende mechanische Turmuhr des Uhrmachermeisters Friedrich Weule (1854 bis 1952, Bockenem/Harz) wurde 1968 durch eine neue elektrische Uhr ersetzt. Ihr Schlagwerk ist von 7 Uhr bis 21 Uhr jeweils zur Viertel- und vollen Stunde in Betrieb. Das Tageszeitengeläut wird von ihr automatisch ausgelöst.

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Außen erinnert auf der Nordseite der Kirche die 1917 gepflanzte Luthereiche an die damals 400jährige Wiederkehr der Reformation. Der östlich benachbarte Gemeindepavillon des Kasseler Architekten Professor Berthold Penkhues (*1955) wurde am 2. Dezember 2001 eingeweiht. Er ist außen mit Muschelkalkstein verblendet. Sein 120 Quadratmeter großer Saal öffnet sich mit einer hohen Fensterfront zur Kirche und zur Eiche hin.

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Damit ist der Rundgang zu Ende. Hier können Sie noch mehr über unsere Christuskirche erfahren: 100 Jahre Christuskirche