100 Jahre Christuskirche

 

100 Jahre Christuskirche

Unsere Christuskirche

Im Dezember 1903 wurde die Christuskirche mit einem feierlichen Festgottesdienst eingeweiht. Seither sollte sie das Gotteshaus für die neu gegründete Gemeinde von Wahlershausen und Wilhelmshöhe sein. In den einhundert Jahren ihres Bestehens hat diese Kirche und die sich in ihr versammelnde Gemeinde viel erlebt an politischen Umbrüchen und weltanschaulichen Irrungen und war darin durchaus verwoben. Einige der an der Christuskirche tätigen Pfarrer sollten weit über die Kirchengemeinde hinaus an den Geschicken der Landeskirche teilhaben. Ich möchte sie in die Geschichte der Christuskirche und der Wilhelmshöher Gemeinde hineinnehmen, indem ich ihre Geschichte in die Epochen der deutschen Geschichte und der Geschichte unserer Landeskirche hineinstelle:

Die Christuskirche während der Kaiserzeit:

Die Christuskirche ist ein Bauwerk der Kaiserzeit, wie man ihrem historisierenden Baustil deutlich anmerkt. Mit dem Rückgriff auf Stilelemente der Gotik, Romanik und der Renaissance sollte an die große Zeit des ersten Kaiserreiches angeknüpft werden, wie es das zweite deutsche Kaiserreich ja ebenfalls versuchte.

Mit dem Kaiserhaus war die Kirchengemeinde Wilhelmshöhe von Anfang an verbunden, gehörte doch die kaiserliche Sommerresidenz zum Gemeindebezirk. Noch heute erinnert die Kaiserloge mit ihrem (heute zugemauerten) separaten Eingang (über dem das kaiserliche Wappen angebracht ist) an diese Verbindung zum Kaiserhaus. Zur Einweihung der Kirche ließ Kaiserin Auguste Victoria in ihrem Namen der Gemeinde eine kunstvoll gestaltete Altarbibel überreichen, die inzwischen leider entwendet wurde. Auguste Victoria hat die Kirche später mehrfach besucht.

Die enge Verbindung zum Kaiserhaus hatte ihren Grund darin, dass Kurhessen seit 1866 Teil Preußens geworden war. Dadurch hatte der preußische König, der seit 1870 auch deutscher Kaiser war, auch das Schloss in Wilhelmshöhe in Besitz genommen. Kirchenpolitisch hatte die Annexion Kurhessens dazu geführt, dass die kurhessische Landeskirche ein Teil der preußischen Kirche wurde, die dem unierten Bekenntnis anhing. Um den erbitterten Widerstand der überzeugten Lutheraner um August und Wilhelm Villmar gegen den preußischen Staat nicht noch zu verstärken, wurde der kurhessischen Landeskirche aber die Eigenständigkeit belassen. Allerdings konnte die als hessische Renitenz bekannte Bewegung um Wilhelm Villmar nicht verhindern, dass es eine gemeinsame Kirchenleitung für die konfessionell unterschiedlichen Sprengel Kassel, Marburg und Hanau gab. Oberhaupt der kurhessischen Landeskirche war der preußische König und deutsche Kaiser, der die Landeskirche von Hessen-Kassel durch von ihm bestellte Beamte leiten ließ. Heute erinnert an diese preußische Zeit die Form des Talars in der preußischen Form.

Die Periode, in der Nordhessen durch Preußen annektiert war und in der der Bau der Christuskirche fiel, entpuppte sich bald als Blütezeit. Für die evangelische Kirche in Nordhessen sollte sie sich sogar als Glücksfall erweisen. Erstmals in ihrer Geschichte wurden Pfarrer einheitlich besoldet. Die Pfarrgehälter hingen nun nicht mehr von den Zufällen ab, was auf dem Land beispielsweise die Ländereien einbrachten, die zur Pfarrerbesoldung bestimmt waren. Auch für die Theologenausbildung in Kurhessen brachte die "preußische Vorherrschaft" bedeutende Fortschritte. Nur durch die bedeutend bessere finanzielle Ausstattung konnte sich die Marburger Universität von einer eher provinziellen Ausbildungsstätte zu einer der bedeutendsten Hochschulen innerhalb Deutschlands entwickeln. Im Bereich der Theologie konnte sie sogar wieder einen Standart erreichen, den sie seit dem frühen 17. Jahrhundert nicht mehr innehatte. Besonders in den Fachgebieten AT und NT sowie Kirchen- und Dogmengeschichte zog die Theologische Fakultät während der preußischen Zeit Wissenschaftler von Rang nach Marburg.

Und schließlich erwies sich die preußische Kirchenpolitik auch für die Entwicklung der Landeskirche als Glücksfall. Dass sich die EKKW inzwischen zu einer Kirche der Mitte entwickeln konnte, in der die konfessionellen Unterschiede keine trennenden Schranken sind, lag auch darin, dass das vom preußischen König einberufene Gesamtkonsistorium eine einheitliche Gottesdienstordnung herausgab, die sowohl für den lutherischen Marburger Raum als auch für das reformierte Niederhessen sowie das unierte Hanauer Gebiet galt. Wie auch schon in der späten Kaiserzeit dadurch die konfessionellen Unterschiede verwischten, kann man in Wilhelmshöhe am Bau der Christuskirche ablesen. Vor allem die damalige Innenraumgestaltung zeigte, dass man sich nicht mehr allein der reformierten Tradition verpflichtet fühlte, die in der Muttergemeinde Kirchditmold gepflegt wurde. Im Gegensatz zu der nüchtern gehaltenen Mutterkirche war die Christuskirche im Innenraum reichlich verziert und sprengte damit bereits die konfessionellen Gegensätze zwischen Reformierten und Lutheranern. Dies zeigt sich auch an der Tatsache, dass 1917 zum 400. Reformationsjubiläum vor der Christuskirche eine Luthereiche gepflanzt werden konnte, die heute mit ihren ausladenden Zweigen die Nordansicht der Christuskirche mitbestimmt. Die Wilhelmshöher Gemeinde verstand sich von Anfang an nicht allein einer Richtung innerhalb des Protestantismus verbunden, sondern war konfessionell offen. So fühlte sich die Wilhelmshöher Kirchengemeinde von Beginn an auch für die in Wahlershausen und am Mulang lebenden Lutheraner zuständig und wehrte sich gegen die Versuche der Lutherkirchengemeinde, diese abzuziehen.

Die Christuskirche in der Weimarer Republik:

Der erste Weltkrieg bildet eine einschneidende Zäsur für die Geschichte der Christuskirche, wie auch für die der Landeskirche und des deutschen Protestantismus überhaupt. Die Revolution führte zum Ende der Monarchie, was besonders in Wilhelmshöhe als ein ungeheurer Verlust empfunden worden sein wird. Fühlte man sich doch mit dem Kaiserhaus besonders verbunden, dessen Sommerresidenz innerhalb der Gemeindegrenzen lag. Außerdem war Wilhelm II. in Kassel zur Schule gegangen. Ein bisschen des kaiserlichen Glanzes war entsprechend auch auf Kassel und besonders auf Wilhelmshöhe gefallen. Und dieser Glanz fehlte, als die Weimarer Republik gebildet wurde. Die hohen Reparationszahlungen, die der Versailler Vertrag mit sich brachte, wird auch die Wirtschaftskraft der Wilhelmshöher Bürger empfindlich getroffen haben. Die großzügigen Bauten im Mulang entstammen fast durchweg der Wilhelminischen Zeit. In den 20er Jahren fehlte dagegen offensichtlich die Finanzkraft, um im früheren Rahmen Villen zu bauen.

Aber auch für die Landeskirche von Hessen-Kassel brachte die Revolution einen Einschnitt. Von nun an wurde sie nicht mehr durch den preußischen König und deutschen Kaiser sowie von ihm eingesetzten Beamte geleitet, sondern war frei und musste sich selbst eine Leitung geben. Doch diese Freiheit von der bisherigen staatlichen Bevormundung wurde zunächst eher als Last empfunden, musste man doch nun selbst eine Verfassung erarbeiten und kirchliche Strukturen schaffen, die den neuen politischen Gegebenheiten Rechnung trugen.

Bevor aber die neue Verfassung erarbeitet und 1924 in Kraft treten konnte, legte man die Geschicke der Landeskirche in die Hände von Männern, die schon vor der Revolution im Auftrag des preußischen Königs die Kirche in Nordhessen geleitet hatten. Die neugewonnene Freiheit der Kirche wurde offensichtlich ambivalent begriffen. Auf der einen Seite sehnte man sich nach einer Kontinuität mit den Verhältnissen der Kaiserzeit. Auf der anderen Seite begriff man mehr und mehr die Unabhängigkeit vom Staat auch als Chance. So schuf man auf mehreren Ebenen ein durch Wahlen legitimiertes synodales System. Das höchste synodale Gremium, der Landeskirchentag, wurde von einem Wilhelmshöher Pfarrer, Theodor Dithmar, geleitet. An anderer Stelle blieb die Verfassung konservativ, indem sie die konfessionell unterschiedlichen Kirchengemeinschaften bestehen ließ. So blieb es dabei, dass es in Kurhessen einen reformierten Sprengel im Norden, einen lutherischen in und um Marburg herum sowie einen unierten im Süden gab. Zur Leitung dieser Sprengel wurden die früheren Generalsuperintendenten aus der Wilhelminischen Zeit berufen. Dieses Dreiergremium der Landespfarrer wurde nur nach Außen hin durch den primus inter pares, Landesoberpfarrer Heinrich Möller, vertreten. So war die Landeskirche einerseits ein loser Bund dreier konfessionell unterschiedlicher Kirchengemeinschaften, andererseits hatte sie einen leitenden Geistlichen, eine gemeinsame Verwaltung sowie eine gemeinsame Synode.

Die Christuskirche während des Dritten Reiches:

Die Jahre zwischen 1933 und 1945 waren für die Gemeinde der Christuskirche eine schwierige Zeit. Vor allem stellte sich die Frage, wie man sich den neuen politischen Verhältnissen gegenüber verhalten sollte und wieweit man ihnen Macht in der Gemeinde und in der Kirche zugestehen wollte. Dies galt um so mehr, als Wilhelmshöhe durch die politischen Weichenstellungen zu Beginn des Dritten Reiches ungeheuer profitierte. Der Rückgang an Arbeitslosigkeit und der - vor allem durch Verschuldung und beginnende Aufrüstung ermöglichte - wirtschaftliche Aufschwung kam dem Stadtteil im Kasseler Westen zugute, der durch das Neubaugebiet Flüsseviertel beträchtlich wuchs. Mancher Unternehmer, der durch die ungeheure militärische Aufrüstung des nationalsozialistischen Systems profitierte, verlegte seinen Wohnsitz in die schicke Wohngegend Mulang.

Die Frage, wie sich die evangelische Christenheit in Deutschland zum nationalsozialistischen Staat verhalten sollte, bildete den Kern des Konfliktes zwischen den Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche. War es für die Deutschen Christen selbstverständlich, dass sich der Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus auch auf die Kirche erstrecken musste, so hielt die Bekennenden Kirche grundsätzlich an der seit 1918 errungenen Selbständigkeit gegenüber dem Staat fest.

Innerhalb der evangelischen Landeskirchen hatte es schon vor der Machtergreifung Adolf Hitlers Überlegungen gegeben, wie der lose Kirchenbund zu einer einheitlichen Reichskirche umgewandelt werden könnte. Als im Frühjahr 1933 eine Verfassung abgestimmt werden sollte, zeigte sich schnell, dass Hitler die Entwicklung zu einer evangelischen Reichskirche in seinem Sinne nutzen wollte. Bei Kirchenwahlen gelang es den Deutschen Christen durch seine direkte Einflussnahme, in sämtlichen Gremien der im Sommer 1933 gegründete Reichskirche eine überwältigende Mehrheit zu erhalten. Auch in der Landeskirche von Hessen-Kassel war man der Meinung, dass die kirchliche Struktur aus dem Jahre 1924 nicht mehr zeitgemäß war. Das kirchenleitenden Dreiergremium trat deshalb zurück, um einer neuen Kirchenleitung nicht im Wege zu sein. Für die Zwischenzeit wurde eine Vorläufige Kirchenleitung einberufen, deren Vorsitz Theodor Dithmar übernahm, der zwischen 1915 und 1932 Pfarrer in Wilhelmshöhe gewesen war. Als sich der Kirchenkampf auch auf die inzwischen um Waldeck erweiterte Landeskirche ausbreitete, war Dithmar in den Konflikt mit der Kommissarischen Kirchenleitung direkt verwickelt, dessen dramatischen Höhepunkt die gewaltsame Besetzung der Räume des Landeskirchenamtes durch die deutschchristlich orientierte Kommissarische Kirchenleitung bildete.

Die Wilhelmshöher Kirchengemeinde wird in diesem schwersten innerkirchlichen Konflikt, den die Landeskirche während des Dritten Reiches zu bestehen hatte, hin- und hergerissen gewesen sein. Stand doch auf beiden Seiten an prominenter Stelle ein früherer Wilhelmshöher Pfarrer: Theodor Dithmar als Vorsitzender der Einstweiligen Kirchenleitung und Karl Theys, der seine Hilfspfarrzeit in Wilhelmshöhe absolviert hatte und 1934 gegen geltendes Recht und gegen den Widerstand der Bekennenden Kirche zum Landesbischof gewählt worden war. Er war damit Mitglied der Kommissarischen Kirchenleitung. Als Theys wegen des Widerstandes eines überwältigenden Teils der kurhessisch-waldeckischen Pfarrerschaft nach wenigen Wochen sein Amt als Landesbischof niederlegte, ergab sich sicherlich auch in Wilhelmshöhe eine Beruhigung zwischen den Angehörigen der verschiedenen kirchenpolitischen Lager.

Die Pfarrer, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 in Wilhelmshöhe im Amt waren, sind weder auf der Seite der Bekennenden Kirche noch auf der Seite der Deutschen Christen in besonderer Weise aufgefallen. Allerdings hat Hermann von Kaltenborn-Stachau, bis 1943 Inhaber der ersten Pfarrstelle, sich zur Bekennenden Kirche gehalten und hat immer wieder die Mitglieder der Bekennenden Kirche zu geschlossenen Gemeindeversammlungen in das Gemeindehaus in der Rammelsbergstraße eingeladen. Bei seinen Gottesdiensten konnte die sich in der Christuskirche versammelnde Gemeinde miterleben, wie einer ihrer Pfarrer bespitzelt wurde. So war auch in der Wilhelmshöher Kirchengemeinde die Auseinandersetzung zwischen der Bekennenden Kirche und dem nationalsozialistischen Staat hautnah mitzuerleben.

Den zweiten Weltkrieg hat die Christuskirche überlebt, ohne dass sie großen Schaden nahm. Allerdings mussten kleinere Schäden hingenommen werden, wie die Zerstörung der bunten Glasfenster auf der Nordseite, die durch den Druck eines nahegelegenen Bombeneinschlag zu Bruch gingen. Ein Jahr später wurde die Kirche von zwei Brandbomben getroffen, die aber im Gewölbe verglühten ohne nennenswerten Schaden anzurichten.

Einschneidender wurde das Gemeindeleben gestört, als die Christuskirche in den Jahren 1943 und 1944 beschlagnahmt wurde, damit in ihr Möbel von ausgebombten Bürgern gelagert werden konnten. Die Gottesdienste mussten derweil im Gemeindehaus gefeiert werden.

Die Christuskirche nach 1945:

Das Jahr 1945 bildete eine starke Zäsur, dessen Wirkung kaum überschätzt werden kann. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches musste es zu einem Neuanfang kommen in politischer aber auch in kirchlicher Hinsicht. Die evangelischen Landeskirchen schlossen sich in diesem Jahr in Treysa zur EKD zusammen. Für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck zeigte sich der Neubeginn vor allem darin, dass die Verfassung von 1924 ergänzt wurde um ein neues Leitungsgesetz, das die Leitung nun (von dem unrechtmäßigen und gescheiterten Versuch im Jahre 1934 abgesehen) erstmals einem Bischof übertrug. Mit dem Träger des Bischofsamtes fühlte sich die Kirchengemeinde Wilhelmshöhe spätestens seit 1963 eng verbunden, als der frühere Wilhelmshöher Pfarrer Erich Vellmer von der Landessynode zum Nachfolger des ersten Bischofs Adolf Wüstemann gewählt wurde. Da die Amtswohnung des Bischofs im Gemeindebezirk Mulang liegt, wohnen seit einigen Jahrzehnten die Bischöfe auch in Wilhelmshöhe, was zur Verbundenheit beiträgt.

Für die Christuskirche ist der Neubeginn nach 1945 mit der Renovierung verbunden, die im Jahre 1952 fertig gestellt wurde. Wegen fehlender Geldmittel musste allerdings mehrere Jahre gewartet werden, bis endlich mit der Neugestaltung des Innenraums begonnen werden konnte. Im Vergleich mit der ursprünglich reich verzierten Kirche ist der renovierte Innenraum nun sehr nüchtern gehalten. Die Wände wurden in schlichtem Weiß getüncht und als einschneidendste bauliche Maßnahme der Altarraum verändert: Der Konfirmandensaal, der bisher einen Teil des Chorraums ausgefüllt hatte, wurde entfernt und die Orgel, die sich bisher darüber befunden hatte, wurde auf die Empore über dem Haupteingang platziert. Die Fenster an der Ostseite wurden zugemauert und an ihrer Stell eine Rosette in die Nordseite des Chores eingefügt. Nun besaß die Christuskirche erstmals einen geräumigen Chor, in dem Platz war für den Altar und ein großes, schlichtes Holzkreuz. Die große Figur des segnenden Christus, die bisher auf der rechten Seite des Triumphbogens gestanden hatte, wurde entfernt und in einer Nische neben dem Haupteingang aufgestellt. Insgesamt machte der neue Innenraum deutlich, dass die Wilhelmshöher Gemeinde radikal mit dem Alten brechen und nach dem Dritten Reich einen Neubeginn wagen wollte. Fast so radikal wie während der Zeit des Bildersturms wurde die farbige Innenraumgestaltung übertüncht und die Christusfigur aus dem Kirchenschiff verbannt. Die Gemeinde sollte unabgelenkt dem Worte Gottes hören und sich im Andenken an die vergangene Schuld unter das Kreuz stellen.

Anders als die zentral gelegenen Stadtteile Kassels war Wilhelmshöhe nach dem Ende des zweiten Weltkriegs nur geringfügig zerstört. Viele Häuser waren noch intakt und boten sich schon allein aufgrund ihrer Größe an, als Quartiere für die amerikanische Besatzungsmacht zu dienen. In den ersten Jahren nach 1945 wohnten so zahlreiche amerikanische Offiziere in Wilhelmshöhe. Die Gemeindearbeit in Wilhelmshöhe wurde dadurch belebt, bot die Christuskirche doch Raum für englischsprachige Gottesdienste.

Die Bevölkerung war in Wilhelmshöhe stark angewachsen, was wohl vor allem daran lag, dass ausgebombte Familien hier wohl schon während der letzten Kriegsjahre aufgenommen werden mussten. Der Anstieg war so gravierend, dass eine dritte Pfarrstelle für den Mulang seit 1945 eingerichtet wurde.

Aus der Sicht der Christuskirche sind die Anschaffung der neuen Orgel des Orgalbaumeisters Bosch, die zweite Renovierung, die im Jahre 1981 vollendet wurde, sowie der vor zwei Jahren vollendete Bau des Pavillons die gravierendsten Ereignisse seit den 50er Jahren.

Die neue Orgel weist auf die hohe Bedeutung der Kirchenmusik in der Wilhelmshöher Gemeinde hin, während der Pavillon ein Zeichen ist für ihre Lebendigkeit. Er wird von zahlreichen Gemeindegruppen genutzt.

Bei der Renovierung der Christuskirche wurde die Schlichtheit der früheren Innenraumgestaltung zum Teil rückgängig gemacht durch eine historisierende Bemalung und durch eine warme Farbgebung vor allem der Bänke. Nun durften auch wieder Symbole Einzug in die Kirche halten, die nach Zeichnungen des Offenbacher Künstlers Rudolf Koch seither den Triumphbogen und die Kanzel schmücken. Seit der letzten Renovierung wirkt der Raum der Christuskirche freundlicher und einladender als nach 1952. Außerdem wurde im Jahre 1981 der Chorraum erweitert und das erhöhte Podest in das Kirchenschiff verlängert. Dadurch konnte der Altar weiter nach vorne auf die Höhe des Taufsteins gezogen werden. Dadurch wurde die Akustik verbessert und es entstand hinter dem Altar ein Raum, der sich für Andachten, aber auch Kleinkindergottesdienste gut eignet.

Altarraum bis Herbst 2004

Ein Jahr nach der Renovierung wurde ein Wandteppich im Chorraum an der Ostseite hinter dem Kreuz angebracht. Offensichtlich hat die Gemeinde sich in dem nach der ersten Renovierung von 1952 sehr schlichten Innenraum so sehr nach Bildern gesehnt, dass sie nun zusätzlich zur freundlicheren Farbgebung und zu den Symbolen auf Kanzel und Triumphbogen noch eine bildhafte Darstellung wünschte. Inzwischen wurde der Wandteppich durchaus unter Protest einiger Gemeindeglieder entfernt. Seither mehrten sich die Stimmen, die für eine Neugestaltung des Altarraums werben, die inzwischen absehbar ist, aber erst nach dem 100. Jubiläum verwirklicht werden wird.

Die fast 60 Jahre zwischen dem Ende des zweiten Weltkriegs und heute kann man nicht beschreiben, ohne auf eine Person einzugehen, die das Leben der Gemeinde und den Bau der Christuskirche maßgeblich mitgeprägt hat: Auf Karl Apel, den ehemaligen Küster. Weit mehr als jeder Küster hat er sich mit seiner Kirche von Beginn an verbunden gefühlt. In den ersten Jahrzehnten seiner Tätigkeit musste er äußerst hart arbeiten, damit Kirche und Gemeindehaus geheizt werden konnten. Der Neue Heizkessel, der 1963 für die Christuskirche angeschafft wurde, wird ihn sehr entlastet haben. So konnte er in den nächsten Jahren seine Kräfte dafür einsetzen, dass der Kirchenturm 1966 eine neue Spitze bekam, weil die alte marode geworden war. 18 Jahre lang war Karl Apel Mitglied im Kirchenvorstand. Heute nimmt er als Kirchenältester weiterhin regelmäßig an den Kirchenvorstandssitzungen teil.

Dr. Stephan Goldschmidt


Die Christuskirche heute:

Altarraum seit Januar 2005

2004/2005 haben einige Neuerungen in der Kir-che Einzug gefunden. Der Altarraum wurde neu gestaltet. Die Steinwand ist jetzt schlicht weiß. Hinter dem Kreuz ist das Kunstwerk "Dekalog und Kreuz" (mehr) von der Künstlerin Frau Weißinger installiert wor-den. Licht- und Ton-anlage wurden moderni-siert, um eine differen-zierte Ausleuchtung des Kirchenraums und mehr Tonquellen berücksich-tigen zu können.

 

 

Altarraum seit 4. November 2007

Im Gottesdienst am 4. November 2007 wurden die neuen Prinzipalstücke in unserem Altarraum eingeweiht: Ein neues Lesepult, Ergänzungen von Altar und Taufbecken und eine Korrektur der Kanzel lassen den Altarraum mit dem Kreuz stimmig und zeitlos erscheinen. ... mehr

Noch mehr können Sie in unserer Festtagsschrift "100 Jahre Christuskirche" erfahren, die Sie im Gemeindebüro erwerben können.

Lothar F. Wiehler

 

Das Foto vom Altarraum vom Januar 2005 ist von T.C.Kraus Kassel / info@tckraus.de / www.tckraus.de.


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