DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
ES HAT IHM DIE SPRACHE VERSCHLAGEN

Fromm und redlich waren diese beiden,
Zacharias und Elisabeth,
gottesfürchtig, ehrlich und bescheiden,
liebevoll, gewissenhaft und nett.

Leider blieb die Ehe ohne Kinder.
Und nun waren beide hochbetagt.
Viele Tränen steckten schon dahinter.
Ach, sie hatten Gott ihr Leid geklagt.

Wie oft hatten sie zum Herrn gerufen,
- mal mit stillen Worten, mal gebrüllt.
Nun indes, auf ihren Altersstufen
schien der Wunsch nach Kindern unerfüllt.

Zacharias war im Tempel Priester.
Er war an der Reihe nach dem Brauch:
Dieses Jahr im Heiligsten erschließt er
Gottes Wohnung - ganz erfüllt mit Rauch.

Während draußen alle andern beten
ist er Mittler zwischen Mensch und Gott.
Er darf mit dem Opfer vor Gott treten.
Tiefer Ernst erfüllt ihn, - ohne Spott.

Plötzlich steht ein Engel ihm zur Seite.
Zacharias sieht ihn und erschrickt.
Er fühlt Gottes Nähe, Himmelsweite,
und er weiß sofort, wer ihn geschickt.

"Fürchte dich nicht!" sagt zu ihm der Engel.
"Dein Gebet ist von dem Herrn erhört.
Ihr erleidet weiter keine Mängel.
Große Freude ist’s, die Gott euch schwört.

Deine Frau wird einen Sohn gebären.
Nenne ihn ‚Johannes’, dieses Kind.
Viele wird dein Sohn zu Gott bekehren,
weil er Herzen für den Herrn gewinnt.

Er wird in der Kraft des Geistes stehen.
Ihn erfüllt die Größe seines Herrn.
Durch ihn wird man Gottes Wege sehen.
Zacharias, Freude ist nicht fern!“

Der fragt zweifelnd: "Wie soll das geschehen?
Ich bin alt und meine Frau betagt!"
Darauf sagt der Engel: "Du wirst sehen:
Du bleibst stumm ab jetzt, weil du gefragt.

Ich bin Gabriel und soll dir sagen
diese Botschaft, doch du glaubtest nicht.
Deshalb schweigst du jetzt bis zu den Tagen,
wenn dein Sohn erblickt das Lebenslicht."

Zacharias versagt seine Stimme.
Alles Volk erwartete ihn schon.
Als er `raustritt geschieht nun das Schlimme:
Aus dem Mund des Priesters kommt kein Ton.

Setzte es die Menschen schon in Staunen,
dass er lange in dem Tempel blieb,
ging doch jetzt durch alles Volk ein Raunen,
als der Priester in die Lüfte schrieb.

Hier hat sich im Innern zugetragen
etwas Göttliches! Was ist passiert?
Ihm hat es die Sprache glatt verschlagen,
dass er nur mit Händen buchstabiert.

Gott nahm ihm das Werkzeug seines Standes.
Nicht ein Wort kam, keine Melodie.
Das war für den Redner Unbekanntes
und das Ende von der Liturgie.

Stumm geht er nach Hause und bleibt schweigend.
Seiner Frau erklärt er zeichenhaft,
nur mit Schrift und seinen Händen zeigend,
dass die Stimme ihm total erschlafft.

Ein paar Tage später wird sie schwanger
Und versteckt sich länger, weil sie denkt:
"Jetzt steh’ ich vor allen wie am Pranger,
dabei hat mir Gott dies Kind geschenkt.

Endlich hat Gott meine Not gesehen.
Er nimmt von mir diese große Schmach.
Noch begreife ich nicht dies Geschehen,
doch ich ahne Großes noch danach."


LUKAS 1,5-25

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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