DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
WEIHNACHTSGEDICHT

Auf Straße 5 - für Esel nur
schaut Joseph dauernd nach der Uhr.
Es ist schon 10 - und immer noch
von Hilfskamel kein Schwanz zu sehen.
Da heißt es Samariterbund
und dabei ist's der letzte Schund.
Maria seine Anvertraute
wie wild auf seinen Esel haute.
"Du dummes Biest jetzt lauf doch weiter"
sagt Joseph x-mal und jetzt schreit er:
"Wir haben kein Reservestroh
und außerdem muss ich auf's Klo!"

Als Luftlinie sind's 110,
zu Fuß fast nicht mehr abzusehn,
wie viele Kilometer sie
mit diesem dusseligen Vieh
zurücklegen von Nazareth
nach Bethlehem zum warmen Bett.
Schon eine Woche wandern sie
mit ihrem undankbaren Vieh.
Jetzt macht er endlich einen Satz
und schafft den andern Eseln Platz.

Die Vorstadt ist schon rappelvoll,
und Joseph kämpft mit seinem Groll.
Maria denkt in ihrem Sinn,
wo führt uns nur dies Chaos hin.
Die ganze Stadt ist voller Leute,
weil August, als der Kaiser heute
jeden zu seiner Vaterstadt
zwecks Zählung heimgerufen hat.
"Der August hat doch wohl 'nen Fimmel
verursacht uns hier so' n Gewimmel!"
"Holy-day-Inn ist ausgebucht"
sagt Joseph und er sucht und sucht.
Und auch im Wirtshaus "Goldnes Kalb"
teilt man die Betten halb und halb.
Maria ist schon sehr verzagt,
weil jeder Wirt zu Joseph sagt:
"Probieren sie's doch nebenan
und lassen Sie mich, junger Mann!"

Dann spürt Maria starke Schmerzen.
Ihr geht das alles sehr zu Herzen.
Im 9.Monat ist sie schon,
denn sie erwartet einen Sohn.
Zu Hause gab es Krach darum,
denn Joseph wusste nicht warum
Maria plötzlich schwanger war.
Er kam ihr doch noch nie zu nah.
Dass Gott der wahre Vater sei
erschien ihm als Betrügerei.
Am Anfang wollt' er sie verlassen,
danach ganz einfach nur sie hassen;
bis er zum Schluss dann nur noch schmollte
und dennoch bei ihr bleiben wollte.
Im Traum ward Joseph aufgeklärt
und eines Besseren belehrt:
Du musst das einsehn, Joseph, schau:
Maria ist auch Gottes Frau.

Als Joseph an dem nächsten Haus
ganz leise klopft, kommt jemand raus.
Es ist der Wirt im Negligee
und kocht für sie erst mal schnell Tee.
Doch ist das Haus schon überall
ganz proppenvoll - nur noch der Stall
ist übrig und so wollen sie
heut Nacht dann schlafen bei dem Vieh.
Der Duft ist nicht sehr angenehm
und auch das Bett ist unbequem.
Und g'rade als sie schlafen gehen,
da kommen bei Maria Wehen.

Kein Arzt ist heute auf Station,
um zu entbinden Gottes Sohn.
So muss es Joseph selber tun
und kann die ganze Nacht nicht ruh'n.
Jetzt noch der Klapps auf seinen Po,
schon schreit das Kind, dann lacht es froh.
Ein Futtertrog herbeigebracht
ist eine Wiege für die Nacht.
Von Heil'genschein ist nichts zu sehen,
nur ein paar Windeln und die Zehen.
Der Ochse staunt, der Esel stöhnt.
Den Anblick sind sie nicht gewöhnt.

Kurz vor der Stadt auf freiem Feld
haben sich Hirten aufgestellt.
Zwei Dünne und ein Dickerchen,
die machen g'rad ein Nickerchen.
Und auch die Schafe schlafen süß,
denn rings umher ist Finsternüß.
Ganz plötzlich tritt ein toller Chor
mit einer Spitzenband hervor.
Sie kommen aus der Dunkelheit
und hören, wie der Dicke schreit.
Der Schreck war doch zuviel für ihn
und eine Ohnmacht schlägt ihn hin.
"Habt keine Angst!" ertönt's im Chor
und alle Hirten treten vor.
Der Chor singt fromme Kirchenlieder
und langsam kommt der Dicke wieder.
Sie singen von dem Kind im Stall
- jetzt mit Vibrato und mit Hall -
und sie behaupten frech und frei,
dass er der Retter aller sei.
Zum Schluss: "Nun danket alle Gott"
und schwups sind sie zum Himmel fort.
Der Letzte steht noch wie gebannt,
als schon der erste los gerannt.
Dem Dicken rutscht die Hose fast,
doch läuft er weiter ohne Rast.
Der früher letzter war beim Rennen,
der darf sich jetzt der Erste nennen.

Beschrieben war es ganz genau,
wo Joseph ist mit seiner Frau.
Sie finden Joe mit der Marie
und fallen nieder auf die Knie
vor diesem neugebornen Kind
und sagen, dass sie glücklich sind.

LUKAS 2,1-20

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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