DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
ACH DU SCHRECK - PLÖTZLICH WEG!

Jesus war kein kleines Kind mehr,
doch er war auch noch nicht groß,
12 Jahre war er grad geworden -
da ging es eines Tages los:

Familie Jesus packt die Koffer.
Man lud dem alten Esel auf.
Sie machten wieder mal ne Reise,
mit Sack und Pack, bergab, bergauf.

Wie jedes Jahr ging's in die Hauptstadt,
dort wo der große Tempel stand;
zu diesem Gotteshause zog man,
bis dahin ging es quer durchs Land.

Das Passahfest wollten sie feiern -
das ist heut unser Osterfest.
Als man dort endlich angekommen,
sagt Josef dann: "Kommt, singt und esst!"

Die ganze Sippschaft war schon dort
und alte Freunde traf man auch.
Es wurde viel erzählt von früher,
man feierte nach altem Brauch.

Erinnert wurde an die Zeit von damals,
als Juden noch die Sklaven war'n
beim Pharao im Land Ägypten
vor vielen, vielen hundert Jahr'n.

Erinnert wurde an die Wüstentage,
der Weg zur Freiheit war sehr lang.
Erinnert wurde an den Segen Gottes,
wie ihm die Führung stets gelang.

Familie Jesus blieb fünf Tage.
Dann sollt es wieder heimwärts geh'n.
Sie packten ihre Siebensachen.
"Bis nächstes Jahr zum Wiederseh'n!"

Maria, Josef und Verwandte,
die Freunde und die Nachbarschaft, -
sie alle zogen Richtung Heimat,
gestärkt vom Fest, mit frischer Kraft.

Am Abend nach des Tages Reise
wollte man campen, hier im Tal.
Doch musste man erst Jesus suchen
bei seinen Freunden, - "Schau'n wir mal!"

Bei Joschi nicht, und nicht bei Schmuel,
und auch bei Tante Lisa nicht.
Kein Mensch hatte ihn heut gesehen, -
als schon die Dunkelheit anbricht.

Die Eltern hatten sich darauf verlassen,
er wär mit seinen Freunden fort.
Nach langer Suche, vielem Fragen
erkannten sie: er ist nicht dort!

Der Schrecken fuhr in ihre Glieder;
schon wieder war er Sorgenkind.
Wo steckt nur ihr geliebter Jesus?
Wo könnt er sein, wo man ihn findt?

Es blieb ihnen nichts andres übrig,
sie haben noch in dieser Nacht
sich auf den weiten Weg zur Hauptstadt,
zurück zum Tempel aufgemacht.

Mit jedem Schritt wuchsen die Sorgen.
Gedanken gingen kreuz und quer:
"Wo ist der Junge nur geblieben?
Wo könnt er sein? Was macht denn der?

Soll'n wir die Polizei gleich rufen?
Wo finden wir in dieser Stadt
den armen Jungen ganz schnell wieder?
Und wenn er sich verlaufen hat?"

Sie hielten Ausschau in der Vorstadt;
sie schauten dort, wo sie gewohnt;
sie fragten nach bei den Verwandten; -
die Suche wurde nicht belohnt.

Sie gingen durch die alten Straßen,
auch dort wo man gefeiert hat.
Sie suchten ihn auf großen Plätzen.
Sie suchten in der ganzen Stadt.

Sie fragten alle, die sie trafen.
Sie fragten auch die Polizei.
Sie fragten nach in den Geschäften,
wo ihr geliebter Jesus sei.

Doch hatte keiner ihn gesehen.
Und niemand hatte was gehört
von diesem zwölfjährigen Jungen.
Maria war schon ganz verstört.

Drei Tage dauerte die Suche.
Maria war schon ganz verweint.
Der Josef wollte gern sie trösten:
"Gott ist mit ihm!" - hat er gemeint.

Die Sorgen wurden täglich größer.
"Wo könnte denn der Junge sein?"
Sie wollten in dem Tempel beten.
Sie gingen durch das Tor hinein.

Da standen Priester und Leviten,
da standen Lehrer in dem Kreis
- und mittendrin stand auch ihr Jesus!
Er redete dort voller Fleiß.

Er fragte all die hohen Herren.
Er war an allem int'ressiert.
Die staunten über diesen Knaben.
Das war ihnen noch nie passiert.

Er konnte wunderbar erzählen.
Er redete von Gott ganz frei.
Er fragte viel und konnt erklären,
wie das mit Gott und Menschen sei.

Maria stürzt zu ihrem Söhnchen
"Mein Junge, was hast du gemacht?
Wir suchen dich mit großen Schmerzen!
Wir sind verzweifelt, Tag und Nacht."

Doch Jesus blieb ganz ruhig stehen
und sagte seinen Eltern dann:
"Ja, wisst ihr nicht, dass ich hier sein muss,
ja, dass man mich hier finden kann?!

Ich bin im Hause meines Vaters,
in dem, was meines Vaters ist.
Was sucht ihr mich? - Ihr konntet's wissen!
Warum habt ihr mich denn vermisst?"

Das haben Josef und Maria
nicht recht verstanden, wie er's meint.
Doch waren sie ganz überglücklich:
sie waren endlich neu vereint.

Und dann ging's ab nach Nazareth,
und Jesus ging natürlich mit.
Er war als Sohn dann auch recht folgsam.
Sie zogen los mit schnellem Schritt.

So wurde Jesus immer größer,
nahm zu an Weisheit und Verstand.
Sie staunten, dass er sehr viel Gnade
bei Gott und auch bei Menschen fand.

LUKAS 2,41-52

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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