DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DER PREDIGER IN DER WÜSTE

In der Wüste lebt er ganz alleine
in der Nähe von dem Jordantal.
Die Gedanken bringt er hier ins Reine,
konzentriert auf Gott, - aus freier Wahl.

In der Stille hört er Gottes Worte.
Er ist tief in Gottes Welt getaucht.
Wilden Honig findet er vor Orte,
trägt am Leib, was er zum Leben braucht.

Weil er weiß, Gott wird sich ihnen zeigen,
Gottes Heiland werden alle sehn,
deshalb kommt die Predigt aus dem Schweigen,
deshalb wird hier Gottes Wort geschehn.

Er will diesem Herrn den Weg bereiten,
dessen Wege macht er grade recht.
Alle Menschen sollen sich beizeiten
auf Gott einstellen ganz frei und echt.

Doch die Lebenslinien sind nicht grade,
viele krumme Wege findet er.
Manches steht wie eine Barrikade -
zwischen Mensch und Gott läuft vieles quer.

"Wege ebnen" ist ihm aufgegeben.
Er bereitet die Begegnung vor.
Gott- und Menschenwege macht er eben.
Dafür Gott ihn schon früh auserkor.

Menschen kamen zu ihm in die Wüste,
denn sie spürten: Dieser Mann lebt echt!
Selbst wenn man hier für die Sünden büßte,
bringt das Krumme er ganz neu zurecht.

Und er taufte sie mit Jordanwasser.
In die Fluten tauchte er sie ein.
Und er redete zu ihnen, dass er
sie von Sünden wasche rein.

Viele kamen, um den Mann zu hören.
Seine Predigt war direkt und klar.
Selbst den König konnte er empören,
weil er ehrlich und wahrhaftig war.

"Schlangenbrut!" - so sprach er zu der Menge,
die zu ihm kam und sich taufen ließ.
"Schlangenbrut seid ihr, wenn es gelänge
vor dem Zorn zu fliehn ins Paradies.

Bildet euch nichts ein auf euren Glauben!
Fühlt euch nicht zu sicher und gewiss!
Gott, in seinem Zorn, kann wütend schnauben.
Seine Augen sehn viel Ärgernis.

Gott kann Abraham aus toten Steinen
Kinder wecken; deshalb seht euch vor!
Glaubensfrüchte euch mit Gott vereinen.
Eure Buße dringe an sein Ohr.

Jeder Baum, der keine guten Früchte
bringt und trägt, wird demnächst umgehaun.
Gott will, dass man gute Früchte züchte:
Buße, Wahrheit, Recht und Gottvertraun."

Alle, die Johannes damals hörten,
gingen in sich, waren tief bestürzt,
so betroffen, dass sie ihn beschwörten:
"Rede weiter! Sag uns unverkürzt:

Sag, was solln wir tun? Was solln wir machen?
Sag, wie handeln wir vor Gott gerecht?"
Und er antwortet mit ernstem Lachen:
"Gebt den Armen, denen geht es schlecht.

Wer zwei Hemden hat, der kann eins geben
einem andern, der noch keines hat.
Auch beim Essen teilt, so sollt ihr leben!
Und dann werden alle Menschen satt."

Auch die Zöllner wollten etwas wissen:
"Meister, sag, was sollen wir denn tun?"
"Geld ist kein sehr gutes Ruhekissen.
Fordert nicht zuviel! Dann könnt ihr ruhn.

Nehmt nur soviel, wie euch vorgeschrieben!"
- so ganz praktisch gibt Johannes Rat.
Deshalb sind Soldaten stehn geblieben,
fragten ihn, was er zu sagen hat.

Ihnen sagt er: "Lasst euch stets genügen
an dem Sold! Tut niemandem Gewalt.
Ihr sollt euch mit eurem Lohn begnügen.
Tut nichts Böses! Macht vor Unrecht Halt!"

Alle dachten, ob er nicht der Christus,
der schon lang verheiß'ne Heiland sei.
Doch Johannes sprach: "Weil das nicht ist, muss
noch ein anderer euch machen frei.

Ich tauf euch hier schließlich nur mit Wasser.
Es kommt einer, zu dem ihr dann lauft,
der ist Gottes Sohn, und ich weiß, dass er
euch mit Heilgem Geist und Feuer tauft."

LUKAS 3,1-22

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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