DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
JESU VERSUCHUNG

Vierzig Tage ohne einen Bissen.
Vierzig Nächte zwischen heiß und kalt.
Vierzig Tage ohne Ruhekissen,
Leben suchen ohne Unterhalt.

In der Wüste zwischen nackten Steinen,
heißer Sand und um sich stille Welt,
große Hitze durch der Sonne Scheinen,
nur für sich und auf sich selbst gestellt.

Nach der Taufe ging er vierzig Tage,
in die Wüste führte ihn der Geist.
In der Stille lernt er ohne Klage,
was Gehorsam und was Leben heißt.

Jesus aß nichts über viele Wochen.
Und am Ende hungerte ihn sehr.
Doch als hätte einer es gerochen,
taucht der Teufel auf; wer weiß woher!

Sehr direkt und gleichsam sehr einfühlend,
so versucht der Teufel zu verführn.
Die Gedanken schlängeln sich aufwühlend,
um am schwächsten Punkt ihn zu berührn.

"Bist du Gottes Sohn, so kannst du sprechen
zu den harten Steinen: Werdet Brot!"
So versucht der Teufel zu bestechen.
Er nutzt aus die große Hungersnot.

Jesus antwortet: "Es steht geschrieben:
Der Mensch lebt vom Brot nicht nur allein.
Es kann sein, er lebt von Luft und Lieben,
dringt ein Gotteswort in ihn hinein."

Jesus lässt beim Brot sich nicht verführen.
Dann führt ihn der Teufel hoch hinauf.
Für den Augenblick lässt er ihn spüren,
alle Reiche der Welt tauchen auf.

Und der Teufel sagt: "Ich will dir geben
alle Macht und ihre Herrlichkeit.
Wenn du mich anbetest; geb' ich eben,
was du siehst an Welten weit und breit."

Jesus weiß die Lockungen zu enden:
Gottes Wort hat über Satan Macht.
Wenn Gott spricht, dann muss er sich abwenden.
Er nutzt Gottesworte wohlbedacht.

Jesus antwortet: "Es steht geschrieben:
Du sollst anbeten nur Gott den Herrn!
Ihn allein nur sollst du dienend lieben!
Dieses ist des Glaubens tiefster Kern."

Jesus lässt mit Macht sich nicht verführen.
Doch der Teufel gibt ihn noch nicht auf.
Er will Neid und Zweifel weiter schüren.
Er probiert es oft im Lebenslauf.

Und sie stehen auf des Tempels Zinnen,
ja, sie schauen unter sich hinab.
Dann sagt Satan leise sein Ansinnen:
"Jesus, stürze du dich hier herab.

Bist du Gottes Sohn, so wirf dich runter.
Seine Engel geben auf dich acht.
Unten bist du ganz gewiss noch munter.
Du bleibst sicher in des Himmels Macht.

Gottes Engel sollen dich bewahren,
werden auf den Händen tragen dich.
Wirf dich runter, dann wirst du erfahren:
Nicht ein Fuß stößt an den Steinen sich."

Er versucht mit Gottes eignen Worten.
Er probiert's mit Psalmen, mit der Schrift.
Er versucht es häufig allerorten.
In Gedanken spritzt er Teufelsgift.

Jesus antwortet: "Ich muss dir sagen:
Du sollst Gottes Macht nicht ausprobier'n,
nicht versuchen ihn und auch nicht plagen.
Er muss seine Macht nicht demonstrier'n."

Jesus will nicht seinen eignen Vater
auf die Probe stellen und damit
inszenieren sich wie im Theater.
Von der Zinne macht er keinen Schritt.

Nach dem allen muss der Teufel weichen.
Jesus hält Versuchungen hier stand.
Nach der Wüste gibt er Lebenszeichen.
Danach wird er überall bekannt.

Erst nachdem er die Verlockung kannte,
erst nachdem er allem widerstand,
Jesus sich an alle Armen wandte,
half er Kranken überall im Land.

LUKAS 4,1-15

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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