DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
JESU PREDIGT IN NAZARETH

Jeden Sabbat in der Synagoge,
so war er es schon als Kind gewohnt.
Dort sprach man die alten Dialoge,
weil dort in dem Schrein die Thora thront.

Jesus ging - so war es seine Sitte,
auch in Nazareth zum Beten hin.
Um zu lesen geht er in die Mitte,
und er fand im Buch Jesaja drin

eine Stelle, an der steht geschrieben, -
Jesus liest sie selbst der Menge vor;
während seine Augen am Text blieben,
lauschen alle Leute ihm ganz Ohr:

"Auf mir ist der Geist des Herren.
Wie beim König salbte er mein Haupt,
um Gefang'nen Tore aufzusperren,
um zu predigen, so, dass man glaubt.

Blinde sollen endlich wieder sehen.
Die Gefangenen, sie kommen frei.
Ich soll zu den armen Menschen gehen.
Beste Nachricht habe ich dabei.

Jedem, der in seinem Herz zerschlagen,
dem erzähl' ich: Gott ist euch nicht fern!
Und ich soll vor allen Menschen sagen:
es beginnt das Gnadenjahr des Herrn."

Nachdem Jesus dieses vorgelesen,
schlug er zu das Buch und setzte sich.
Dann ist Stille in dem Raum gewesen.
"Was kommt jetzt?" fragt man sich innerlich.

Alle Augen in der Synagoge
schauten ihn erwartungsvoll jetzt an.
Redet er nun wie ein Theologe?
Was sagt dieser Mann aus Kanaan?

"Heute hat vor allen euren Ohren
dieses Wort der Schrift sich jetzt erfüllt!"
sagte Jesus ihnen unverfroren.
Jesus zeigt sich ihnen unverhüllt.

Alle staunten, weil sie Jesus kannten.
Jeder fragt: "Ist das nicht Josefs Sohn?"
Ja, sie kannten alle die Verwandten.
Mancher ging zur Schule mit ihm schon.

Und sie wunderten sich seiner Worte.
Gnadenworte tat er ihnen kund.
Alte Verse, von besond'rer Sorte, -
nehmen Heilige nur in den Mund.

Er sprach weiter: "Keiner der Propheten
gilt etwas in seinem Vaterland."
Alle schauten daraufhin betreten,
weil ihn jeder hier sofort verstand.

"Einmal werdet ihr das Sprichwort sagen:
Hilf dir selber, Arzt!" - so sagte er.
Bei den Hörern wuchs das Unbehagen.
Und sie fragten sich: "Wer ist denn der?"

"Ihr wollt auch, dass ich hier Wunder tue,
große Dinge, wie ihr sie gehört."
Immer mehr wuchs in dem Raum Unruhe,
weil sie sein Verhalten furchtbar stört.

"Die Propheten gingen nicht zu allen,
nur dem Einzelnen, dem halfen sie."
Jesu Worte fanden Missgefallen.
In dem Haus entstand jetzt Hysterie.

In die Menschen ist der Zorn gestiegen.
Und sie stupsten ihn aus diesem Haus.
"Diesen Menschen sollte man bekriegen!"
Und sie stießen ihn zur Stadt hinaus.

Ja, sie führten ihn an einen Abhang
von dem Berg, auf dem die Stadt gebaut.
Ihr Gejohle weit ins Tal herab drang,
Ihrem Zorn machten sie Luft, sehr laut.

Dort hinunter wollte man ihn stoßen.
Man hat Ruhe, stürzt man ihn herab.
Diesen Prahlhans, diesen Gernegroßen,
lehnten sie in ihrer Stadt nur ab.

Jesus aber ging durch ihre Mitte
still hinweg. Die Menge staunend steht.
Jesus schreitet, er macht sich're Schritte,
als er mitten durch sie durch hin geht.

Nicht zum erstenmal wollt man ihn töten.
Schon Herodes trachtete danach.
Nach Gelegenheiten, die sich böten,
suchten oft sie, bei dem, was er sprach.

Nicht zum letzten mal sollte er sterben.
Später starb er dann auf Golgatha.
Wer ihm nachfolgt, wird Verfolgung erben.
Feinden ist sein Anspruch viel zu klar.

LUKAS 4,16-30

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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