DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
WEISSE FLECKEN

Weiße Flecken an dem Körper und die Unempfindlichkeit,
faule Stellen, die sich zeigten, waren Zeichen für das Leid.
Das war wie ein Todesurteil für die Menschen jener Zeit,
wenn man schließlich untersucht war und bekam dann den Bescheid.

Denn der Aussatz war so furchtbar, Kranke lebten dann allein,
draußen vor den kleinen Dörfern. Das war wie ein Totenschein.
Die Familie blieb zu Hause, für sie galt man als unrein.
Und um sie nicht anzustecken, litt man diese Höllenpein.

Einer dieser kranken Menschen lebte lang schon vor der Stadt,
starb fast bei lebend'gem Leibe, weil er starken Aussatz hat.
Doch er liebte sehr sein Leben. Er war noch nicht lebenssatt,
wollte leben, suchte Heilung, wollte wohnen in der Stadt.

Eines Tages sah er Jesus; der kam zufällig vorbei.
Als er ihn sah, fiel er nieder, mit 'nem tiefen Seufzerschrei.
Er bat ihn um seine Hilfe. Es klang fast wie Spinnerei.
Denn der Aussatz war nicht heilbar. Weshalb dann die Bettelei?

"Herr, wenn du willst, kannst du helfen. Mach mich bitte wieder rein!"
bat der ausgesetzte Kranke, schrie es laut in Seelenpein.
Er glaubt, Jesus kann ihn heilen. Er vertraut ihm insgeheim.
Er will sauber und gereinigt wieder sein an Arm und Bein.

Jesus streckte seine Hand aus und berührte diesen Mann;
trotz Gefahr sich anzustecken, fasste er ihn einfach an.
Wie viel tausend Ewigkeiten lag auf ihm nun schon der Bann,
dass ihn keiner mehr berührte. Und er fragte sich noch: Wann?

Wann war es, sein letztes Schmusen? Wann nahm er zum letzten Mal
seine Frau in seine Arme? Wann war es noch ganz normal,
dass er seine Kinder herzte, dass er lebte ganz vital?
In Gedanken kam die Rührung. Ihm wurd ganz sentimental.

Jesus sprach: "Ich will es tuen!" und er sagte ihm: "Sei rein!"
Und sogleich wich alle Krankheit, ganz gesund sollte er sein.
Seine Hände, seine Füße, nahm er jetzt in Augenschein.
Nicht ein einz'ger Fleck zu finden! Er fühlt nach an Arm und Bein.

Er spürt alle seine Glieder. Er fühlt wie die Sonne brennt.
Er hat Grund unter den Füßen. Leben füllt ihn vehement.
Er kann zur Familie gehen. Er ist wieder existent.
Allen kann er es erzählen: Wunder und ein Happy-End.

Doch will Jesus von ihm eines, dass er es nicht weitersagt.
Er soll nur zum Priester gehen. Dort wird alles abgefragt.
Denen soll er Zeugnis geben, auch wenn's denen nicht behagt.
und er soll ein Opfer bringen, so wie es schon Mose sagt.

Für Gesundheit soll er danken, nicht nur Jesus, sondern Gott.
Schließlich war für ihn die Krankheit ähnlich so wie ein Schafott.
Nur: er soll nichts weitersagen, denn die Menschen sind bigott,
sie erwarten von Gott Wunder, wenn sie da sind, gibt es Spott.

Alles wird dann gleich bezweifelt. Man zerredet es sofort!
Viele wollen es nicht glauben. Die Kritik ist für sie Sport.
Trotzdem hörten alle Menschen schnell von Jesus, - Wort für Wort.
Schneller noch als Flüsse fließen, sagten sie's von Ort zu Ort.

Alle suchten seine Nähe, wollten von ihm Heil und Glück.
Jesus musste sich entziehen. Er zog sich allein zurück.
Er ging einfach in die Wüste, abseits von der Welt ein Stück.
Dort beim Beten in der Stille, schlägt er zu Gott eine Brück'.

LUKAS 5,12-16

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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