DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
NEUES LEBEN BRAUCHT NEUE FORMEN

"Hej, Du, sag uns warum deine Freunde nicht so leben,
wie zum Beispiel unsre Freunde und auch die von J d T ?
Was die machen, wie sie glauben und wie sie sich geben
- nichts entspricht den Traditionen! Findest du das gut? Oje!

Unsre Freunde fasten regelmäßig! - Doch nicht deine.
Unsre und Johannes Schüler beten mehrfach und sehr viel.
Von den Fastentagen kennen deine Freunde keine.
Ja, sie essen und sie trinken als wär' Leben nur ein Spiel."

Richtig fordernd und um zu verketzern kam die Frage.
Um zu sticheln, um zu ärgern und nicht ehrlich fragten sie.
Doch erfasste dieser Jesus wirklich schnell die Lage.
Er durchblickte bei den Superfrommen ihre Ironie.

"Wenn man Feste feiert," sprach er, "dann soll man nicht fasten!
Und solang die Hochzeitsgäste noch den Bräutigam hier sehn,
gibt es keinen Grund sich mit Enthaltung zu belasten.
Nach der Feier gibt es Zeit zum Fasten; dann kann es geschehn.

Meine Schüler freuen sich, dass ich bei ihnen weile.
Jetzt ist Zeit zu leben, nicht um zu entsprechen einer Norm.
Und zum Beispiel: Neue Kleider reißt man nicht in Teile,
um die alten so zu flicken. Stellt euch vor die Uniform.

Wer zerreißt schon schöne, neue Kleider um zu flicken?
Denn so halten nicht die alten, und es passt auch nicht im Stil.
Dumm ist neuen Wein in alte Schläuche reinzuschicken,
denn der gärt noch und die Schläuche sind vom Lagern sehr labil."

Leben mit Gott braucht auch immer wieder neue Formen.
Stil des Glaubens ist ein Ausdruck Gottes je nach seiner Zeit.
Glaube ist gewiss nicht nur Erfüllung alter Normen.
Und die Menge der Gebete sagt nichts über Heiligkeit.

LUKAS 5,33-39

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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