DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DAS GUTE AM SABBAT

Wenn am Freitagabend sich der erste Stern an dem Himmel zeigt,
lässt ein frommer Jude alle Arbeit ruhn, weil die Feier steigt.
Vierundzwanzig Stunden ruht das ganze Land, ruht auch alles Vieh,
ruhen die Geschäfte, denkt er viel an Gott, arbeitet er nie.

Schön gedeckte Tische, feierlich geschmückt, alles steht bereit,
Kerzen angezündet, Essen schon gekocht. - Jetzt nimmt er sich Zeit.
Er geht keine langen Wege in die Stadt oder fährt aufs Land.
Nur zur Synagoge geht er zum Gebet. Er ist ganz entspannt.

Weil Gott selber ruhte an dem siebten Tag von dem Schöpfungswerk,
ist der Tag ihm heilig, gab er das Gebot, gilt sein Augenmerk:
dass die Menschen ruhen jeden siebten Tag, Zeit haben für ihn,
dass sie ihren Sorgen und dem Alltagstrott regelrecht entfliehn.

Immer wieder fragen Menschen bei dem Tag: „Was ist denn erlaubt?“
Und die frommen Juden regelten es stark, hatten fest geglaubt:
Wenn sie alles regeln, hält man das Gebot. Das sei Gott sehr recht.
Doch sie übertrieben es mit dem Gesetz. - Gutes wurde schlecht.

Jesus ging am Sabbat einmal durch ein Feld, wo das Korn reif stand.
Seine Jünger folgten, rupften Ähren ab, rieben in der Hand
diese frischen Körner, aßen sie dann auf. Dabei sah man sie.
Und die Pharisäer stellten sofort fest: "Das ist Blasphemie!"

Und sie stellten Jesus sich selbst in den Weg und sie fragten ihn:
"Heute ist doch Sabbat! Warum tut ihr das? Ihr kennt die Doktrin:
Ernten ist verboten, Körner dreschen auch! Wisst ihr das denn nicht?"
Jesus stand ganz ruhig, schaut sie offen an. Folgendes er spricht:

"Habt ihr nicht gelesen, was der David tat damals auf der Flucht?
Als er Hunger hatte und nichts sonst da war, weder Fleisch noch Frucht,
da nahm er die Brote vom Altar des Herrn aus dem Gotteshaus,
die allein die Priester essen dürfen nur. Die trug er hinaus.

Gab auch seinen Freunden, und sie aßen sie. So ist es geschehn.
Deshalb darf wer hungert oder flüchtig ist auch in Felder gehn,
um dort Korn zu essen auch am Sabbattag. Denn der Menschensohn
herrscht über den Sabbat. Ihm gehört die Macht. Ihm gebührt der Thron."

Dieses rief den Unmut bei den Frommen vor. Denn sie spürten hier:
"Mehr als je ein Priester in dem Tempel galt, mehr als das, was wir,
hält er von sich selber. Er ist Menschensohn. Er nimmt sich heraus,
selbst es zu bestimmen, was am Sabbat gilt und in Gottes Haus."

Ein paar Wochen später, - auch am Sabbattag! - predigt Jesus mal
in der Synagoge. Er lehrt dort das Volk. Es kommt zum Skandal!
Unter all den Menschen war auch jener Mann, dessen rechte Hand
dürr und kraftlos wirkte, wie vertrocknet war. Er stand ganz am Rand.

Und daneben standen all die frommen Leut', Schriftgelehrte auch,
lauerten und schauten, ob er ihn wohl heilt, folgten jedem Hauch.
Wenn er ihn jetzt heilte, dann wär allen klar: Der ist nicht von Gott!
Dann könnt man verklagen diesen Lästerkerl. Der treibt Sabbat-Spott.

Doch diese Gedanken fühlt Jesus genau. Er sagt zu dem Mann:
"Komm hier in die Mitte, dass dich alle sehn!" Und der kam heran.
Jesus fragte alle: "Ist es denn erlaubt, Gutes heut zu tun?
Soll man Leben fördern? Oder böse sein? Nur am Sabbat ruhn?"

Er sah in die Runde, sah sie lange an. Jeder spürt genau:
Böses schon zu denken ist wie Schlechtes tun! Ihnen wird ganz flau.
Einen nach dem andern schaute Jesus an. Alle schwiegen still.
"Strecke deine Hand aus!" sagte Jesus dann. "Heil kommt, wenn Gott will!"

Er streckt sie nach vorne. Alle sind gespannt. Und - sie wird gesund!
Doch die Gegner rasen. Wut steigt in den Bauch. Schweigen muss ihr Mund.
Sie beraten später, dann nur unter sich, was man mit ihm macht.
Jesus will man töten, überlegt nur wie. Böses wird gedacht!

"Was darf man am Sabbat, an dem siebten Tag?" so wird oft gefragt.
"Leben zu erhalten und das Gute tun!" hat der Herr gesagt.
Gut tut allen Menschen Ruhe an dem Tag und dass man ihm glaubt,
auch Werke der Liebe und Werke der Not sind vor Gott erlaubt!

LUKAS 6,1-11

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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