DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
WEHE, WENN IHR LACHT

Nicht nur Zuspruch, sondern Anspruch
sind die Worte, die er sagt.
Sie sind richtig provozierend,
auch wenn uns das nicht behagt.

"Weh euch Reichen!" sagte Jesus,
"denn ihr habt schon euren Lohn."
Deutlich macht er immer wieder:
Reichtum birgt viel Illusion.
Wie viel Armut gibtís bei Reichen?
Wie viel Sorgen plagen sie?
Ihre Schätze gut zu schützen,
braucht viel Zeit und Energie.
Um den Reichtum voll zu nutzen,
dazu braucht man sehr viel Zeit.
Schwer zu finden ist für Reiche:
Gnade, Gott, Gerechtigkeit.
Liebe kann man nicht erkaufen.
Selig sind sie lange nicht.
Reichen fehlen oft die Werte:
Glaube, Hoffnung, Zuversicht.
Arme Reiche, oft nicht glücklich,
trösten sich mit ihrem Geld.
Ohne Reichtum lebten viele
viel bewusster in der Welt.

"Weh euch Satten!" sagte Jesus,
"denn ihr werdet hungern noch."
Wenn der Magen auch sehr voll ist,
bleibt im Bauch trotzdem ein Loch.
Wie viel Hunger gibtís bei Satten?
Wie viel Trägheit, Schicht auf Schicht?
Vor und nachher liegt bei Satten
auf dem Essen viel Gewicht.
Lust am Essen in Gemeinschaft
ist nun wahrlich nicht verkehrt.
Doch bei vielen vollen Satten
wird der Bauch als Gott verehrt.
Wie viel Menschen fressen alles,
stopfen alles in sich rein,
suchen Lust und suchen Leben,
können nicht zufrieden sein.
Besser wenig und genießen,
besser sparsam und gesund,
besser fasten als zu träge,
besser hundert Gramm als Pfund.
Hunger ist die Sucht nach Leben.
Niemand lebt vom Brot allein.
Gottes Worte, gute Nahrung,
lassen uns zufrieden sein.

"Weh euch Lachern!" sagte Jesus,
"weinen, klagen werdet ihr."
Denn auf Lachen, da folgt Weinen. -
diesen Grundsatz sag ich dir.
Wie viel Lacher spielen außen
ihre Fröhlichkeit nur vor.
Wie viel Leid und wie viel Trauer
steckt oft hinter dem Humor.
Hinter jedem höhnisch Lachen
steckt zutiefst Unsicherheit.
Spöttisch Lächeln, zynisch Grinsen
schafft von selbst ein neues Leid.
Gott kann herzlich fröhlich lachen.
Jesus hatte Lebenslust.
Doch wer lacht nur um zu lachen,
ist sich selbst noch nicht bewusst:
Tränen spülen die Gefühle,
Seelenwäsche muss mal sein.
Und nach Klagen oder Weinen
ist die Luft auch wieder rein.

"Weh euch Glatten!" sagte Jesus,
"weh euch, denen jedermann,
nur wohl redet, nur wohlwollend
niemals Böses sagen kann.
Denn das Gleiche taten damals
eure Ahnenväter auch
mit den falschen der Propheten,
das war immer wieder Brauch."
Ohne Ecken oder Kanten
reizt man nicht zum Widerspruch.
Neues kann nur dort entstehen,
wo es vorher gab auch Bruch.
Bruch mit alten Traditionen,
Bruch mit der Gesetzlichkeit.
Um den Menschen zu befreien,
braucht es Dreist- und Festigkeit.
Wer es allen Menschen recht macht,
jedem redet nach dem Mund,
der bleibt selber auf der Strecke,
der gibt sich auf - ohne Grund.
Gott hat selber klar geredet,
auch was Menschen nicht behagt.
Auch durch eckig-harte Worte
wird das Heil uns zugesagt.

LUKAS 6,24-26

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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