DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DIE FRÜCHTE DES GLAUBENS

Seid barmherzig zu den Menschen,
weil Gott selbst barmherzig ist.
Richtet nicht, seid nicht zu kritisch,
seid kein saurer Moralist.

Dann wird man euch auch nicht richten.
Wenn ihr niemanden verdammt,
wird man euch auch nicht verdammen,
auch Gott selbst nicht, - insgesamt.

Gebt, so wird euch auch gegeben!
Und vergebt, was es auch sei!
So wird euch auch selbst vergeben,
und ihr werdet schuldenfrei.

Denn man wird euch wieder messen
mit dem Maß, mit dem ihr messt.
Wer viel gibt, dem wird man geben
voll gefüllt und gut gepresst.

In den Schoß wird es euch fallen,
haltet nur die Schürze auf:
übervoll das Maß, gerüttelt,
und ein Berg noch obendrauf.

Wenn ein Blinder einen Blinden
neue Wege führen soll,
stürzen beide in den Abgrund;
das ist echt verhängnisvoll.

Schüler sind nicht mehr als Lehrer.
Schüler wissen auch nicht mehr
als die Lehrer ihnen lehren.
Wo kommt denn die Klugheit her?

Siehst du auch den kleinen Splitter,
der im Aug' des Bruders steckt?
Doch der Balken in dem deinen
hat dich noch nicht aufgeschreckt!

Gehst du auch zu deinem Bruder
und sagst zu ihm: "Halte still!
Weil ich dir den kleinen Splitter
aus dem Auge holen will!"

Dabei siehst du nicht den Balken,
der in deinem Auge steckt.
O, du Heuchler, gehe in dich!
Nimm erst wahr, was dich verdreckt!

Zieh den Balken aus dem Auge,
erst bei dir und sieh dann zu,
dass du hilfst auch deinem Bruder;
Splitter sind dann nicht tabu.

Wenn ein Baum von innen faul ist,
sind auch seine Früchte schlecht.
Aber die gesunden Bäume
tragen Früchte gut und recht.

Jeden Baum kann man erkennen
an den Früchten, die er trägt.
Feigen pflückt man nicht von Dornen.
Jeder Baum die Früchte prägt.

So ist es auch bei den Menschen:
Gute bringen Gutes vor.
Bei den Bösen folgt das Böse.
Was im Mensch steckt, kommt empor.

Die Gedanken prägen Taten.
Früchte kommen aus dem Herz.
Denn das Herz, als Ort des Glaubens,
lenkt die Hände, Wort und Scherz.

Alles Reden, alles Handeln
kommt tief aus des Herzens Grund.
Ganz egal, ob gut, ob böse:
Was im Herz steckt, spricht der Mund.

Ihr tut nicht, was ich euch sage.
Warum sagt ihr zu mir: "Herr!"
Andre leben meine Worte,
sind nicht selbst wie ein Geplärr.

Ich vergleiche mal den Menschen,
der auf meine Rede hört,
mit dem Mann, der sich ein Haus baut
und auf gute Arbeit schwört.

Der kann nicht schnell fertig werden,
der baut erst ein Fundament:
tiefe Gräben, starke Mauern,
fester Grund und dann Zement.

Auch bei starkem Ungewitter,
wenn die Flut kommt, hält es stand.
Denn der Herr, der es geplant hat,
dem war Sturm nicht unbekannt.

Wer nicht lebt nach meinen Worten,
wer nur hört und doch nichts tut,
ist wie einer, der beim Bauen
schönes Wetter sieht, nicht Flut.

Er baut schnell auf weichen Boden.
Er baut ohne festen Grund.
Als der Sturm kommt, spült der Sand weg,
unter Mauern gibt es Schwund.

Das Gebäude bricht zusammen,
Trümmer bleiben nur zurück.
Wer sein Leben baut, muss planen.
Da ist nicht nur Pech und Glück."

LUKAS 6,36-49


Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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