DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
WERTSCHÄTZUNG

Eine Frage stellen Menschen immer wieder:
"Was bin ich vor Gott, mir selbst und andern wert?"
Die Wertschätzung brauchen alle Menschenglieder.
Durch die Achtung fühlen Menschen sich geehrt.

Nach Kapernaum war Jesus einst gekommen.
Kaum war er dort, kamen ehrenwerte Herrn,
von dem Stadtrat, der Gemeinde, von den Frommen,
um mit Jesus hier zu reden insofern:

dass ein Hauptmann von den Römern sie gebeten:
"Geht zu Jesus, fragt bei ihm um Hilfe an,
ob er kommen kann, für meinen Knecht zu beten,
todkrank ist der mir sehr lieb und werte Mann.

Denn ich hörte von dem Jesus bisher Gutes.
Überbringt ihm meine Bitte möglichst schnell.
Er kann heilen, er kann helfen. Also tut es,
holt ihn her; ich bitte ihn ganz offiziell."

Deshalb kamen nun die Ältesten der Juden
Und erzählten von dem römischen Soldat.
Sie erklärten auch, warum sie zu ihm luden:
"Dieser Hauptmann ist es wert, er hat Format!

Er ist wahrlich nicht sehr typisch als Besatzer,
denn er liebt das Volk und achtet jedermann.
Selbst in Glaubensdingen macht er keinen Patzer,
baute uns die Synagoge irgendwann.

Er ist wahrlich wert, dass wir dich zu ihm führen.
Komm mit uns, wenn sein Knecht Hilfe von dir braucht.
Vielleicht hilft es jenen Kranken zu berühren.
Vielleicht hat er sich die Seele schwer verstaucht."

Jesus ging mit ihnen zu des Hauptmanns Hause.
Und sie waren davon gar nicht mehr sehr fern.
Da zwang die Begegnung sie zu einer Pause.
Freunde von dem Hauptmann kamen zu dem Herrn.

"Unser Hauptmann lässt dir folgendes bestellen:
Er sagt, er sei deine Mühe gar nicht wert.
Du brauchst dich zu ihm nicht in sein Haus gesellen,
deshalb hat er mit dir selber nicht verkehrt.

Er hat sich bisher nicht würdig dir erachtet.
Er weiß ganz genau um Stellung und um Rang.
Und er dachte sich, wenn er es recht betrachtet,
reicht ein Wort von dir, das wirkt doch meilenlang.

Wenn du ein Wort sprichst, dann wird der Knecht gesunden.
Wenn du etwas sagst, dann wird dies auch geschehn.
Alle Achtung will der Hauptmann dir bekunden.
Du musst nicht noch extra unter sein Dach gehn.

Unser Hauptmann meint, es ist wie bei Soldaten.
Wenn er einem sagt "Geh hin!", so geht er hin.
Auf Befehle folgen grundsätzlich die Taten.
Man vertraut im Handeln jenem tief'ren Sinn.

Er sei selbst ein Mensch und würde unterstehen
seiner Obrigkeit, dem Herren General.
Deshalb sprich ein Wort und schon wird es geschehen,
dass der kranke Knecht wird wieder ganz vital."

Jesus staunt über diese großen Worte.
Und er wunderte sich über jenen Mann.
Damit wandte er sich um an die Eskorte
und er stellte jenen Glauben obenan.

"Ich hab in ganz Israel das nicht gefunden.
Solch ein Glaube ist die Hilfe wirklich wert."
Sagte Jesus zu dem Volk ganz unumwunden.
Dann sind auch die Boten wieder umgekehrt.

Und als sie nach Hause zu dem Hauptmann kamen,
fanden sie den Knecht gesund und munter vor.
Weil sie gegenseitig ihren Wert ernst nahmen
wunderte sich Jesus und auch der Major.

Wer den Wert von einem andern Menschen achtet,
sprengt die Grenzen, heilt die Menschen und ehrt Gott.
Wer in Demut sich vor Gott stellt und entmachtet,
erntet Anerkennung bei ihm und nicht Spott.

LUKAS 7,1-10


Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

zurück