DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DER TOTE JUNGE

Voller Trauer sind sie aus der Stadt gezogen.
Eine große Menge Volk ging hinterher.
Schleppend schlug die Kleidung dunkle weiche Wogen.
Schweigend klagend ging’s zum Friedhof tränenschwer.

Keiner hatte diesem Jungen helfen können.
Alle fühlten mit der Mutter ihre Not.
Alle wollten ihm das Leben gerne gönnen.
Alle waren tief betroffen von dem Tod.

Hatte sie vor Jahren ihren Mann verloren,
hatte sie doch Zukunftshoffnung durch den Sohn.
Hatte sie mit großen Schmerzen ihn geboren,
war der Stolz auf ihn ihr Lebenslohn.

Weil's nur einer war, war er ihr ein und alles.
Er war Zukunft und Vergangenheit zugleich.
Er versorgte sie im Falle eines Falles.
Durch ihn zeigte sich ihr Mann noch segensreich.

Sein Tod war für sie ein großer Schock gewesen,
denn mit einmal war das Leben sinnlos leer.
Nicht nur Witwe, sondern jetzt ein armes Wesen,
ohne Mann und Sohn! - Wer sorgte für sie? Wer?

Ach, sie konnte es noch gar nicht richtig fassen.
Sie begriff nur langsam, wie es um sie stand,
fühlte sich von aller Welt und Gott verlassen,
fühlte sich, als hätt der Tod sie überrannt.

Trotz der Freunde und der Nachbarn, die dann kamen,
die sie trösten wollten, fand sie keine Ruh,
rief sie herzzerreißend ihren Sohn mit Namen,
und sie weinte Tag und Nacht nur immerzu.

Draußen vor der Stadt, dort lag der Gottesacker.
Dorthin sollte seine letzte Reise geh'n.
Dorthin trugen ihn die Männer, stark und wacker.
Plötzlich stockte dieser Zug und kam zum Steh'n.

Denn entgegen kam ein andrer Zug mit Leuten.
Dort kam Jesus und die Jünger folgten ihm.
Und ihr Lachen mag Lebendigkeit bedeuten.
Laut und fröhlich zog durchs Land das junge Team.

Zug des Todes prallte hier auf Zug des Lebens.
Doch auch Jesus stockte, als er dieses sah.
Er sprach zu der Mutter: "Weine nicht vergebens!"
Traurig wurd' er, als er hörte, was geschah.

Jesus fasste an den Sarg. Es stieg die Spannung.
Alle fragten sich, was macht denn dieser Mann?
Wer den Tod berührt, der ist wie in Verbannung,
der ist unrein, den fasst keiner vorerst an.

Voller Mut und ohne Angst spricht er zum Toten:
"Junger Mann steh auf! Das sage ich jetzt dir!"
Kaum hat Jesus dies dem toten Mann geboten,
streckt und reckte er sich. Alle steh'n Spalier.

Und dann stand er auf und alle Leute staunten.
er begann zu reden, Leben kam in ihn.
Furcht ergriff sie alle, man hört wie sie raunten,
weil der Jesus ihnen wie ein Wunder schien.

Jesus brachte dann zur Mutter ihren Jungen.
Alle priesen Gott und sprachen vom Prophet,
der von Gott geschickt den Tod hatte bezwungen,
durch den Gottes Geist in tote Menschen weht.

Damals schon sprach man von ihm im ganzen Lande.
Ja, man sprach: Gott hat sein Volk durch ihn besucht.
Jesus ist als Wundermann dazu imstande,
dass Gott Heil uns bringt, statt dass er uns verflucht.

LUKAS 7,11-17


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Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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