DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DER STURM

Eine Schiffsreise ist manchmal sehr gefährlich,
manchmal geh'n die Wellen heftig auf und ab.
Dann ist es für Leib und Seele sehr beschwerlich.
Mancher fand im tiefen Wasser schon sein Grab.

Kleine Boote, leere Netze, raue Männer, -
oft schon fuhren sie zum Fischen auf den See.
Jeder wusste hier Bescheid und war ein Kenner
von den Strudeln, von dem Wetter, vom Metier.

Jener See Genezareth liegt zwischen Hügeln.
Man nennt ihn auch manchmal Galiläisch Meer.
Kommt von Westen her das Wetter, - lässt sich's zügeln;
kommt von Osten es, dann stürmt es oft sehr schwer.

Jesus wollte mit den Jüngern 'rüberfahren.
Alle stiegen in ein Boot, dann ging es los.
Und weil anfangs alle guter Stimmung waren,
legt sich Jesus in den Rumpf und schläft grandios.

Plötzlich wechselt überm See das gute Wetter.
Es dreht sich schlagartig um, schon schwankt das Boot.
Schon schlägt Wasser über alle Planken-Bretter.
Unerwartet kommen sie in große Not.

Es geht auf und ab durch hohe Wellentäler.
Dieser Wirbelwind bringt alle in Gefahr.
Keiner wusste einen Rat, - sagt der Erzähler,
obwohl mancher in der Mannschaft Seemann war.

Trotz des Wellengangs und trotz der starken Winde,
Jesus schlief ganz ruhig unten in dem Boot.
Doch jetzt weckt man ihn; sie riefen ihn geschwinde:
"Meister! Meister! Komm! Wir leiden große Not!"

Er steht auf, bedroht den Wind, die Wasserwogen.
Schon kehrt Stille ein, schon legt sich dieser Sturm.
Ruhig liegt das Meer, die Wolken fortgezogen.
Niemand sieht mehr einen hohen Wellenturm.

Still vor Staunen und geschockt mit offnem Munde
sind sie fassungslos von dem, was da geschah.
Noch bevor man spricht, fragt Jesus in die Runde:
"Wo ist euer Glaube? Ich bin immer da!"

Sie verwundern sich; sie haben Furcht bekommen.
Wer ist das, der auch dem Wind befehlen kann?
Noch sind sie von dem Geschehen ganz benommen.
Dem das Meer gehorcht - der ist ein Gottesmann!

Schenkten sie ihm nicht ihr ganzes Gottvertrauen?
Weckten sie ihn nicht und riefen in der Not?
Jetzt fragt er nach Glauben; - das musst man verdauen,
das liegt schwer im Magen, wie die Todesnot.

LUKAS 8,22-25


Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

zurück