DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
ERGREIFENDE MÄCHTE

Immer wieder schrie er kräftig.
Er lief ohne Kleider! Nackt!
Er war seiner selbst nicht mächtig.
Alle hat die Angst gepackt.

Keiner hat ihn halten können.
Von zu Hause lief er fort,
blieb zur Nacht in Grabeshöhlen,
hauste zwischen Toten dort.

Man versuchte ihn zu fesseln.
Doch er hat es stets geschafft
selbst die Ketten zu zerreißen.
Ungezügelt blieb die Kraft.

Er war mit sich selbst nicht einig.
Ganz verwirrt war Geist und Sinn.
Fremden Kräften ausgeliefert
trieb es ihn zur Wüste hin.

Was für Mächte ihn ergriffen?
Keiner wusste da Bescheid.
Alle fühlten, wie’s ihn plagte,
wie er litt seit langer Zeit.

Oft hat man ihm helfen wollen.
Nichts ließ man hier unversucht.
Doch seit Jahren die Verwirrung, -
dieser Mann war wie verflucht.

Jesus kam in seine Gegend,
östlich von dem großen See,
wollte nach Gerasa wandern,
war mal wieder auf Tournee.

Jesus war per Schiff gekommen.
Eben er gelandet war.
Da begegnet ihm der Fremde
aus der Stadt - so sonderbar.

Jesus spürte fremde Mächte,
wie der Mann gebeutelt wird.
Und er will den Mensch befreien,
denn der ist total verwirrt.

Jesus sprach mit diesem Menschen,
sprach direkt zu seinem Geist,
redete mit tiefsten Schichten,
dort, wo ihn das Böse beißt.

Dieser schrie und fiel zu Boden,
fiel vor Jesus auf die Knie:
"Was willst du, du Sohn des Höchsten?
Quäl mich nicht!" - er ganz laut schrie.

So rief aus ihm eine Stimme,
die den Mensch gefangen nimmt,
die Besitz von ihm ergriffen,
die ihn plagt und fremdbestimmt.

Jesus fragte nach dem Namen:
"Sag, wie heißt du, der dort spricht?"
"Legion!" rief die fremde Stimme.
Vielfach wirkt das Nachtgesicht.

Nicht nur eine Fremdbestimmung,
nicht nur ein Geist war in ihm.
"Legion" sagt das hundertfache.
Ihn beherrscht ein Geister-Team.

Jesus sah ihn an voll Liebe.
Er verbreitete mit Macht
Gottes Kraft und Atmosphäre.
Gottes Geist hat er gebracht.

Aus dem Menschen rief die Stimme:
"Jesus! Bitte schick uns nicht
in die abgrundlose Tiefe.
Ach, wir bitten dich ganz schlicht:

Wenn wir aus dem Menschen müssen,
lass uns in die Schweine geh'n,
die dort an dem Abhang weiden,
die dort auf dem Hügel steh'n.“

Alles in dem Mensch erkannte:
Dieser Jesus hat die Kraft
auch Dämonen auszutreiben.
Er besiegt die Gegnerschaft.

Jesus ließ die bösen Geister
in die Herde Schweine fahr'n,
die dort in der Erde wühlten,
die bis eben friedlich war'n.

Plötzlich rast die ganze Herde,
stürmt den Abhang schnell herab,
läuft zum See, rennt in das Wasser,
und die Luft wird ihnen knapp.

Sie erstickten und ertranken.
Menschen schauten wie gebannt
auf das, was sie eben sahen,
wie die Herde ist gerannt.

Und die Hirten dieser Herde
flohen in die nächste Stadt.
Sie erzählten allen Leuten,
was sich zugetragen hat.

Nun aus Schaulust oder Neugier
liefen sie zu Jesus hin.
Alle aus den Dörfern kamen,
Arbeiter und Bäuerin.

Und sie fanden jenen Menschen,
der zuvor besessen war,
saß dort still zu Jesu Füßen,
war vernünftig, geistig klar.

Er war ordentlich gekleidet.
Und er hörte Jesus zu.
Alle, die dabei gewesen,
gaben jetzt ein Interview.

Sie bestätigten den Fragern,
dass der geistig kranke Mann
durch die Kräfte Jesu heilte,
dass der austrieb diesen Bann.

Und wie dann die Schweine starben,
wie sie rannten zu dem See, -
das erzählten sie den Leuten,
und die staunten: "Ach, du Je!"

Doch wo Gottes Kräfte walten,
ist auch Furcht und Angst nicht weit,
nicht nur Ehrfurcht oder Staunen,
sondern die Ergriffenheit.

Nicht wie sonst in den Geschichten
brachten sie die Kranken jetzt,
sondern Jesus sollte gehen.
Alle waren zu entsetzt.

Aus der Angst vor diesen Mächten
baten sie ihn umzukehr'n.
Und so ging er zu den Booten,
um den See zu überquer'n.

Doch der Mann, der krank gewesen,
lief noch hinter Jesus her,
wünschte sich bei ihm zu bleiben,
seine Nähe wollte er.

Jesus sagte: "Geh nach Hause
und erzähl von deinem Wahn.
Dann erzähl von Gottes Kräften,
und was er an dir getan."

Und er ging in alle Städte
Und berichtete nun dort,
wie ihn Jesu Kräfte heilten,
wie er trieb den Wahnsinn fort.

Wo die Mächte Jesu wirken,
da verschwindet böse Macht,
und die Seele wird gesunden,
manchmal schnell und manchmal sacht.

LUKAS 8,26-39


Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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