DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
GÖTTLICHE BERÜHRUNG

O, er hatte große Angst um seine Tochter.
Sie lag krank zu Hause. Sie war sterbenskrank.
Und obwohl er Leiter war, ein gern gemochter,
lagen jetzt bei ihm die Nerven ziemlich blank.

Denn er wusste, dass sie sterben könnte, -stündlich.
Sie war erst zwölf Jahre und sein einz'ges Kind.
Diese Krankheit war so furchtbar unergründlich.
Die Gedanken kreisten wie im Labyrinth.

Wie oft hatte er zu seinem Gott gebetet.
In der Synagoge stand er allen vor.
Er hat drum gerungen, ihn beknetet,
doch es schien als hätte Gott für ihn kein Ohr.

Wenn es weiter so ging, würde sie bald sterben.
Von den Ärzten wusste er das ganz genau.
Selbst bei ihm konnt' das die Lebenslust verderben.
Sie war seine Hoffnung und die seiner Frau.

Ihre Fröhlichkeit, ihr Strahlen und ihr Lachen
brachte in sein Leben hellen Sonnenschein.
Welcher Arzt könnt sie gesund und munter machen?
Ihm fiel nur noch Jesus, dieser Heiler, ein.

Der war eben in die Stadt am See gekommen.
Viele Menschen drängten sich um ihn herum.
Als Jairus, jener Vater, das vernommen,
lief er zu ihm voller Hoffnung und mit Mumm.

Und er schickte auch nicht einfach einen Boten.
Er ging selbst zu Jesus und er kniete tief.
Er erzählte von der Tochter, der halbtoten.
"Komm mit mir nach Hause!" bat er impulsiv.

Darauf wollte Jesus mit Jairus gehen.
Doch sie kamen durch das Volk nur schwer voran.
Viele Leute blieben in den Gassen stehen.
Dicht gedrängt um Jesus schob hier jedermann.

Plötzlich merkte Jesus, dass man ihn berührte.
Irgendjemand hat ihn einfach angefasst.
Und er fragte, wer das war, weil er das spürte.
Ganz erschrocken ist die eine Frau erblasst.

Seit zwölf Jahren währt nun schon ihr großes Leiden.
Ihre Monatsblutung hörte gar nicht auf.
Religiöses hatte sie deshalb zu meiden.
Das verdarb den ganz normalen Lebenslauf.

Sie war von den Feiern immer ausgeschlossen,
und berühren durfte sie auch keinen Mann.
Deshalb stand sie jetzt wie angegossen.
Sie sieht Jesus unsicher und ängstlich an.

Sie war es, die an den Saum von Jesus fasste.
Dieses hatte sie sich heimlich ausgedacht:
wenn sie nur von ihm berührte seine Quaste,
hätte das vielleicht sie ganz gesund gemacht.

Seit zwölf Jahren lief sie hin zu allen Ärzten.
Keinen gab es, der auf dieses sich verstand.
Doch weil Leib und Seele immer wieder schmerzten,
hat sie alles für die Heilung aufgewandt.

Jesus schaute um sich in die ganze Runde.
Alle stritten heftig ab, dass sie es war'n.
Doch die Frau erbleichte in der Schrecksekunde.
Soll sie sich denn jetzt vor allen offenbar'n?

"Meister!" sagte Petrus. "Sieh die große Menge!
Alle Menschen drängen und sie drücken dich!"
"Nein!" sprach Jesus zu ihm. "Hier in dem Gedränge
merkte ich, wie eine Kraft von mir entwich."

Als die Frau ihn an dem Rocksaum kurz berührte
fühlte sie sofort, jetzt hört die Blutung auf.
Doch was wäre, wenn er sie hier überführte?
Nimmt dann ihre Krankheit wieder ihren Lauf?

Sie ging zitternd auf die Knie vor ihm nieder
Und erzählte nun vor allen, was sie tat.
Sie sprach von der Krankheit, senkte ihre Lider,
denn sie wusste, was sie tat, das war Verrat.

Sie erzählte vom Gefühl, sie ist genesen.
Ihre Blutung hätte sofort aufgehört.
In den Augen konnte man die Angst noch lesen,
wie sie auf der Erde kniet etwas verstört.

Jesus sprach zu ihr: "Dir half dein guter Glaube.
Geh in Frieden, meine Tochter, sage ich!"
Sie erhob sich wieder glücklich aus dem Staube, -
Als ein Bote kam und sagte jämmerlich:

"Ach, Jairus! Deine Tochter ist gestorben.
Jesus braucht nicht mehr zu kommen in dein Haus.
Nun sind alle deine Hoffnungen verdorben.
Mit der Zukunft und der Tochter ist es aus."

Als das Jesus hörte, gab er ihm zu denken:
"Fürchte dich nicht! Glaube nur! Sie wird gesund!"
Und Jairus wollte Jesus Glauben schenken.
Er vertraute, was der sagt hat seinen Grund.

Alle Nachbarn und die Freunde sind erschienen,
standen weinend und laut klagend in dem Haus.
Alle trugen ihre schwarzen Trauermienen.
Jesus wies sie höflich und bestimmt heraus.

"Weint nicht um das Kind, denn es ist nicht gestorben.
Eure Tochter schläft!" - so sagte Jesus sacht.
Damit hat die Stimmung er für sie verdorben.
Deshalb wurde er von allen ausgelacht.

Nur mit Petrus, mit Jakobus und Johannes
und den Eltern ging er zu dem Mädchen hin.
Er nahm ihre Hand; sie spürten bald: er kann es!
"Kind, steh auf!" sprach er. Da kam zurück ihr Sinn.

Sie erhob sich langsam wieder von dem Lager.
Sie stand auf und ging im Zimmer hin und her.
"Gebt ihr Essen!" sagte Jesus. "Sie ist mager."
Ihre Eltern wunderten sich nur noch mehr.

Sie entsetzten sich bei dem, was sie gesehen.
Nichts zu sagen, schärfte ihnen Jesus ein.
Alle sollten nichts erzählen vom Geschehen.
Wer nur lacht, glaubt nicht an Wunder allgemein.

Dort, wo Menschen mit ihm in Berührung kommen,
zeigt sich deutlich seine starke Gotteskraft.
Bei den Ausgeschlossenen und bei den Frommen
bringt er Heilung und das Leben! - Sagenhaft!

LUKAS 8,40-56


Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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