DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DER BARMHERZIGE SAMARITER

Manchmal stellen Menschen Fragen,
um zu ärgern, einfach so,
nur aus Selbstsucht, um zu reizen,
denn sie sind gern schadenfroh.

Da war jener Schriftgelehrte,
der bei Jesus dies probiert.
Er fragt ihn nur um zu fragen,
ohne Ernst, doch routiniert.

"Meister! Ich will ewig leben!
Wie erreiche ich das nur?
Was muss ich tun?" fragt er hämisch.
Doch die Frage ging retour.

Jesus fragt: "Was steht geschrieben?
Im Gesetz - was liest du dort?"
"Du sollst Gott von Herzen lieben,
überall, in einem fort.

Liebe ihn von ganzer Seele!
Liebe ihn mit aller Kraft!
Lieb den Nächsten, wie dich selber!
Ewig lebt, wer das geschafft."

Jesus sprach: "Geh hin und tu das!"
Der Gelehrte aber fragt:
"Ja, wer ist denn nun mein Nächster?"
Weil die Antwort nicht behagt.

Um sich selber Recht zu geben,
um den Nächsten fern zu seh'n,
um für den nichts tun zu müssen,
wollte er es nicht versteh'n.

Jesus wählte den Vergleich aus
und erzählte klar und schlicht
die Geschichte von den Nächsten,
von Barmherzigkeit und Pflicht:

"Ziemlich trocken, karge Gegend,
viele Steine, wüstes Land, -
dort lag einer, halb erschlagen,
blutend an dem Straßenrand.

Von Jerusalem gekommen
ging er Richtung Jericho,
war von Räubern überfallen -
auf der Straße irgendwo.

Hatten ihn nackt ausgezogen,
schlugen furchtbar auf ihn ein,
ließen ihn dort halbtot liegen,
alles schmerzte, Arm und Bein.

Würde nicht bald Hilfe kommen,
war es mit dem Mann vorbei.
Doch den Räubern war das Leben
Dieses Menschen einerlei.

Wie der Zufall es so wollte,
war der Gottesdienst g'rad aus.
Und ein Priester aus dem Tempel
ging auf diesem Weg nach Haus.

Sauber waren seine Hände.
Kultisch war er völlig rein.
Wer im Tempel für Gott diente,
musste frei von Sünde sein.
Er sah den Verletzten liegen
- und beschleunigte den Schritt.
Würde er jetzt Blut berühren,
dann befleckt er sich damit.

Ohne auch nur anzuhalten
ging er stracks an ihm vorbei,
machte sich schnell aus dem Staube
und wich aus der Schererei.

Auch ein zweiter Gottesdiener
ging vorüber, -ein Levit,
dachte vielleicht an die Räuber,
- und beschleunigte den Schritt.

Beide hatten ihn gesehen,
offensichtlich lag er dort.
Beide kannten die Gebote.
Beide liefen nur schnell fort.

Noch ein dritter kam des Weges,
der ein Samariter war,
von den Juden tief verachtet,
wie ein Gottesfeind sogar.

Diesem ging das Leid zu Herzen.
Er hielt an, als er ihn sah.
Er ging hin, um ihn zu retten,
und er war ihm einfach nah.

Er versorgte dessen Wunden,
pflegte sie mit Öl und Wein.
Er verband die schlimmsten Stellen,
hob ihn hoch aus Staub und Stein.

Danach legte er den Kranken
auf sein Tier und brachte ihn
in das allernächste Gasthaus,
was das beste ihm erschien.

Dort nahm er sich Zeit zur Pflege.
Dort versorgte er ihn gut.
Er tat alles, was er konnte,
machte auch dem Kranken Mut.

Er blieb bis zum nächsten Tage
und bezahlte dem Wirt Geld,
auch im Voraus für die Pflege, und er hat ihm noch bestellt:

"Wenn er mehr braucht zur Gesundung,
zahle ich das nächste mal,
wenn ich wieder hierher reise,
dir den Rest dann noch pauschal.

Welcher war denn nun der Nächste,
dem der unter Räuber fiel?
Was meinst du, wer ist der Nächste?
Wem ist Hilfe nicht zuviel?"

Jesus fragte den Gelehrten,
der gut kannte Gottes Schrift.
Dieser merkte durch das Gleichnis,
wen die Sache hier betrifft.

"Es half nur der Samariter,
der Verletzte tat ihm leid.
Ich erkenne durch das Beispiel:
dieser tat Barmherzigkeit."

Jesus sagte: "Tu das gleiche!"
Damit ließ ihn Jesus steh'n.
Wer den Nächsten will entdecken,
muss nur offnen Auges geh'n.

Not liegt oft zu unsern Füßen,
auf der Straße, an dem Rand.
'Sehen' reicht nicht aus zur Hilfe.
Leid braucht auch noch Herz und Hand.

Gott dient man nicht nur im Tempel.
Er begegnet uns auch dort,
wo wir helfen, heilen, pflegen,
wo wir handeln nach dem Wort.

Unsre Hände werden schmutzig,
und es braucht auch Geld und Zeit,
helfen wir auf unsern Wegen
Menschen, die in Not und Leid.

LUKAS 10,25-37

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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