DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DIE FAULE SCHWESTER

Auf seinem Weg durch's heil'ge Land
war Jesus vielerorts bekannt.
Er hatte manchen Ort gesehen
und sagte dann: "Kommt, lasst uns gehen!
Die Reise ist schon weit gedieh'n,
wir wollen nach Bethanien zieh'n!"
Dort wohnte Martha, die er kannte,
die ihm sofort entgegen rannte,
als sie von seiner Ankunft hörte
von einem, der zu ihm gehörte.
Sie freute sich, ihn selbst zu sehn
und konnte sich nicht unterstehn,
ihm etwas Gutes tun zu wollen.
Und trotz der vielen vorwurfsvollen
Blicke, die sie jetzt abbekam,
lud sie ihn ein - so ganz spontan.
"Das Essen ist zwar noch nicht gar"
sprach sie zu ihm und seiner Schar,
"doch kommt nur rein, ich lad' euch ein,
ihr sollt heut meine Gäste sein!"
So gehen sie zu ihrem Haus,
und Martha eilt ihnen voraus.
Sie sagt Maria, ihrer Schwester,
dass Jesus kommt, ihr Freund, ihr bester.
Sofort eilt Martha in die Küche.
Schon ziehen durch das Haus Gerüche
von frischem Brot und edlem Wein
- für ihn muss es das Beste sein.
Sie holt das Fleisch - von Rind und Kalb
und auch Gehacktes - halb und halb.
Sie tut es in die große Pfanne,
gießt Öl darüber aus der Kanne,
dann würzt sie es mit Majoran,
tut dazu etwas Knoblauch dran.
Sie schmeckt es ab - es fehlt noch Salz,
und sicher schmeckt dazu auch Schmalz.
Nun schnell noch den Salat geputzt,
Ach! - Jetzt ist noch ihr Kleid beschmutzt!
Sie zieht sich schnell die Schürze an
und stößt dabei den Mehltopf an.
Nun wird die Arbeit ihr zuviel,
denn Essen machen ist kein Spiel.
Wo steckt sie nur - die faule Schwester?
- Maria wird g'rad bibelfester.
Sie sitzt zu Füßen von dem Meister,
in seiner Lehre unterweist er.
Sie lauscht begierig seinem Worte,
denn es ist von besondrer Sorte!
"Das ist ja doch wohl unerhört,"
denkt Martha und ist echt empört.
"Ich darf mich in der Küche plagen!
Kannst du nicht meiner Schwester sagen,
dass sie mir dabei helfen soll?"
sagt sie zu Jesus vorwurfsvoll.
Doch Jesus sagt ihr: "Martha, Martha!
Du hast so eine Eigenart, ja,
du machst dir Mühe und viel Sorgen
und schuftest seit dem frühen Morgen.
Du hast mich jetzt bei dir zu Gast,
doch bist du ohne Ruh' und Rast.
Im Leben geht's nicht nur um Brot.
Es gibt auch manche andre Not.
Ich bin jetzt hier, da gibt's nur eins.
Ich wünschte mir, es wär auch deins.
Maria hat das gut verstanden,
und das geht niemals ihr abhanden.
Um aufzunehmen Gottes Wort,
dafür ist Zeit jetzt hier und Ort."

LUKAS 10,38-42

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

zurück