DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
HERR, LEHRE UNS BETEN!

Wenn ein König vor dir stände,
wie verhältst du dich vor ihm?
Wenn er voller Schuld dich fände,
was ist dann noch legitim?

Welche Worte wirst du sagen
zu dem Richter in dem Saal?
Stellt ein Seelenarzt dir Fragen,
redest du dann noch normal?

Wie wirst du mit Herrschern sprechen?
Plötzlich alles dir entfällt.
Wirst du vielleicht radebrechen
auch vor Gott, dem Herrn der Welt?

Oft schon sahen sie ihn beten,
häufig stand er ganz allein,
wenn die Worte zu Gott flehten,
morgens noch im Dämmerschein.

Ganz egal an welchen Orten,
überall, zu jeder Zeit,
suchte er nicht lang nach Worten,
sprach er mit Vertraulichkeit.

Einer seiner Jünger fragte:
"Lehre uns doch beten, Herr!"
Daraufhin ihm Jesus sagte:
"Macht dazu kein groß Geplärr.

Wenn ihr betet, sollt ihr sprechen:
'Vater!' Sagt es einfach wie ein Kind.
Ihr braucht euch nichts abzubrechen.
Seid vertrauensvoll gesinnt.

'Deinen Namen soll man ehren.
Deine Herrschaft richte auf.
Uns gib täglich zum Verzehren,
was man braucht zum Lebenslauf.

Und vergib uns unsre Sünden;
So vergeben dann auch wir.
Du willst Freiheit uns verkünden.
Wer vergibt, der dankt es dir.

Führe uns durch die Versuchung.
Von dem Bösen uns erlös!
Und bewahr uns vor Verfluchung!
Sei du selber uns nicht bös.'

Wollt ihr beten, mit Gott sprechen,
stellt ihn euch als Freund nur vor.
Jederzeit dürft ihr aufbrechen.
Gott ist immer für euch Ohr.

Wie in jener Anekdote,
als es klopft um Mitternacht.
"Lieber Freund! Leih mir drei Brote!"
rief es draußen aufgebracht.

"Zu mir ist Besuch gekommen.
Doch ich habe nichts im Haus!"
Hat der drinnen noch vernommen
und erkennt den Freund heraus.

Sollte der von drinnen sagen:
"Lieber Freund! Lass mich in Ruh!
Deinen Wunsch muss ich abschlagen.
Meine Tür, die bleibt heut zu!

Meine Kinder schlafen alle,
und ich selber lieg im Bett.
Ich mach jetzt kein Türgeknalle!"
- Nein! Das wäre gar nicht nett.

Schon aus Freundschaft wird er geben,
was der andere noch braucht.
Unverschämtheit steht daneben,
weil der Lärm ihn ziemlich schlaucht.

Weil der Freund ihn so bedrängte,
gibt er mehr als der bedarf.
Wer bei Gott sich so anstrengte,
den der Herr noch nie verwarf.

Bittet ihn, so wird gegeben.
Suchet und ihr findet's so.
Klopft an Mauern ihr soeben,
öffnet Gott sie irgendwo.

Welcher Vater gäb den Kindern
eine Schlange statt 'nem Fisch?
Würde er es nicht verhindern,
statt dem Ei Skorpion zu Tisch?

Gebt ihr euren Kindern Gutes,
trotz dem, dass ihr sündig seid, -
mehr von Gott wisst, dass er tut es,
er ist gern dazu breit.

Wer ihn bittet, wird bekommen
Gottes guten heil'gen Geist.
Ihr habt es von mir vernommen:
betet kindlich, frei und dreist!"

Gottes Geist wird dich schon führen,
redest du mit Gott, dem Herrn.
Du wirst seine Hilfe spüren,
wirkt Gott-König dir auch fern.

LUKAS 11,1-13

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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