DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
WEHE, WEHE, WENN ICH PHARISÄER SEHE

Presbyter und Diakone,
Pfarrer, Mönche und auch Nonnen
sind in vielen Glaubensfragen
und im Leben sehr besonnen.

Oft sind es die frömmsten Menschen,
denen die Gefahren drohen
durch die Regeln blind zu werden,
durch die Ansprüche, die hohen.

Einfach glauben ist nicht einfach.
Man muss sich auch hinterfragen
und in Frage stellen lassen
und auch neue Wege wagen.

Nicht um Menschen bloß zu stellen,
sondern um davor zu warnen,
sagte Jesus viele Worte,
und um Falschheit zu enttarnen.

Einmal lud ein Pharisäer
Jesus ein mit ihm zu essen.
Jesus hat das Hände waschen
- wodurch immer - ganz vergessen.

Doch für fromme Pharisäer
waren zwingend diese Regeln,
ohne rituelles Waschen
sich bei Tisch nicht hinzuflegeln.

Jesus spürte seine Blicke
und das Wundern jener Leute.
Was sie dachten, was sie tuscheln
machte ihn für sie zur Beute.

"O!" sprach er, "Ihr Pharisäer!
Außen rein sind eure Becher.
Außen sauber sind die Schüsseln.
Innerlich seid ihr Verbrecher.

Innen seid ihr voller Bosheit,
innen schmutzig und verkommen.
Gott schuf beides: Außen, Innen! -
Äußerlich seid ihr die Frommen.

Seid nicht scheinheilig nach draußen.
Seid Gott heilig tief von innen.
Gebt, was in euch ist, den Armen.
Reinheit werdet ihr gewinnen.

Ihr gebt immer euren Zehnten,
selbst von Kräutern und Gewürzen.
Gottes Liebe lasst ihr liegen
und sein Recht wollt ihr verkürzen.

Deshalb warne ich euch heute:
Gebt, was ihr bisher gegeben,
ohne anderes zu lassen!
Das ist nötig, um zu leben.

Und ich warne euch vor Ehrgeiz.
Ihr sitzt immer gerne vorne,
lasst euch auf der Straße grüßen, -
Ehrsucht weckt bei Gott den Zorne.

Ihr steht in den Gottesdiensten
vorne in der Synagoge.
Es geht euch nur um die Ehre.
Sie ist für euch eine Droge.

Wehe, wenn ihr andre ansteckt.
Ihr dürft niemanden verführen.
Viele meinen, ihr seid heilig.
Wehe, wenn sie euch berühren.

Das ist, wie wenn sie mit Toten
in Kontakt gekommen wären.
Doch sie konnten es nicht wissen,
dass sie Unreines verehren."

Einer von den Schriftgelehrten
hat die Rede unterbrochen:
"Meister! Willst du uns beschimpfen?
Uns trifft auch, was du gesprochen!"

"Ja!" sprach Jesus darauf weiter.
"Es trifft auch Gesetzeslehrer,
die durch Regeln und Gebote
machen Menschen Leben schwerer.

Bis ins kleinste wird geregelt,
was die Menschen tun und lassen.
Ihr rührt selber keinen Finger,
wollt Entlastendes nicht fassen.

Heute baut ihr Monumente
und ein Denkmal für Propheten,
die durch eure Väter starben,
denn sie hatten Gott vertreten.

Doch ihr billigt deren Taten.
Ihr wollt mehr die Väter ehren.
Aus dem Töten der Propheten
zieht ihr leider keine Lehren.

Gott will noch einmal Propheten
Und Apostel zu euch schicken.
Werdet ihr in ihnen Weisheit,
Warnung und Gericht erblicken?

Ach, man wird auch sie verfolgen.
Dies Geschlecht wird manche töten.
Ihr bleibt in dem alten Denken.
Echte Buße wär' vonnöten.

Gott wird Rechenschaft verlangen
für den Mord an den Propheten.
Vom Beginn der Welt bis heute
müsst ihr dies vor Gott vertreten.

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten,
ihr wollt die Erkenntnis binden.
Nicht ihr selbst und auch nicht andre
können so den Schlüssel finden.

Könnt ihr nicht zu Gott gelangen,
muss er euch sein Reich verwehren,
steht ihr denen, die Gott suchen,
auch im Weg mit euren Lehren."

Diese harten Worte Jesu
machten alle ungehalten
der Partei der Pharisäer,
der Kritik und Vorwurf galten.

Und auch die Gesetzeslehrer,
die er angegriffen hatte,
holten aus zum Gegenschlage,
packten ihn nun nicht in Watte.

Von der Zeit an war ihr Streben,
heftig auf ihn einzudringen,
ihn durch eigne, falsche Worte
zu entlarven, umzubringen.

Sie belauerten ihn täglich,
und sie stellten tausend Fragen.
Doch sie konnten aus dem Munde
nicht ein falsches Wort erjagen.

LUKAS 11,37-54

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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