DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
KRUMM UND GEBEUGT

Achtzehn Jahre lang gemartert.
Achtzehn Jahre lang schon krumm.
Achtzehn Jahre psychisch krank schon.
Oftmals fragt sie sich: "Warum?"

Tief gebückt unter den Sorgen,
ganz verkrümmt unter der Last,
krankgemacht durch böse Geister. -
Seelenkrankheit ist wie Knast.

Opfer ihrer eignen Psyche?
Spielball einer dunklen Macht?
Diese Krankheit drückt sie nieder.
Wie oft wurd' sie ausgelacht?

Wollte gern sich selbst aufrichten.
Doch nicht möglich war es ihr.
Wollte gerne fröhlich lachen,
ohne Buckel - wie ein Stier.

Eines Tages, Sabbatmorgen,
war sie in dem Gotteshaus,
stand sie in der Synagoge,
betete aus sich heraus.

Jesus war dort mit den Jüngern,
sah die Frau und rief sie her.
Er sprach ohne sie zu fragen:
"Frau sei frei von der Beschwer!"

Und er legte seine Hände
still zum Segen auf ihr Haupt.
Und sie richtet sich sogleich auf,
- ach, wer hätte das geglaubt?

Endlich g'rade, endlich aufrecht,
endlich nicht mehr unterdrückt.
Sie pries Gott, sie lobt und dankte.
Sie ging nicht mehr tief gebückt.

Alle in der Synagoge
hatten dieses hier geseh'n.
Doch nicht Freude, sondern Ärger
macht sich breit durch dies Geschehn.

Ganz entrüstet sprach der Leiter,
weil der Herr am Sabbat heilt.
"Gottes Ordnung hat die Woche
in die Tage unterteilt.

An sechs Tagen soll man schaffen.
Jeder tue, was er mag.
Kommt an denen, lasst euch heilen,
nicht doch an dem Sabbattag."

Jesus wurde darauf fuchtig:
"O Ihr Heuchler!" - sagte er,
"Bietet ihr nicht Ochs und Esel
was am Sabbat zum Verzehr?

Löst ihr sie nicht von der Krippe
und führt sie zur Tränke hin?
Ist das Einhalten der Ordnung
wichtiger noch als ihr Sinn?

Wenn ihr sorgt für Ochs und Esel,
sollte dann nicht diese Frau
losgebunden von der Krankheit
frei sein auch im Körperbau?

Gott will nicht die Unterdrückten
durch Gesetz und durch Moral.
Aufzurichten in der Psyche
dient der Sabbat ganz genial.

Achtzehn Jahre lang gebunden,
teuflisch war die Krankheit hier!
Freut euch, wenn sie frei geworden,
freut euch endlich doch mit ihr!"

Alle in der Synagoge,
die sich gegen ihn gestellt,
schämten sich durch seine Worte,
waren schließlich nicht verprellt.

Freuten sich an Jesu Taten,
- herrlich war es, was man sah -,
freuten sich auch dass am Sabbat
Gottes Heil für sie geschah.

LUKAS 13,10-17

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

zurück