DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DAS GROSSE ABENDESSEN

Große Tafel, gutes Essen
und der Tisch war hübsch gedeckt.
Auch die Suppe und die Soße
waren schon fein abgeschmeckt.

Als der Hausherr guter Laune
gibt den Gästen noch Bescheid.
Ja, sein Diener soll nur sagen:
"Kommt, es ist alles bereit!"

Alle waren längst zuvor schon
eingeladen zu dem Fest
Deshalb lässt er sie abholen:
"Kommt, seid fröhlich, singt und esst!"

Doch die Gäste hatten alle
eine Ausrede parat.
So berichtete der Diener
seinem Herrn das Resultat.

Einer sagte: "Ach, das passt nicht,
denn ich kaufte mir ein Haus.
Und um mir das anzuschauen
muss ich gleich dorthin hinaus."

Einer sagte: "Nein, ich kann nicht!
Ach, es tut mir schrecklich leid.
Ich bin noch in Flitterwochen.
Und so bin ich nicht bereit."

Und ein andrer sprach vom Auto,
welches er gebraucht gekauft.
Das müsst er jetzt ausprobieren,
ob es fährt oder nur schnauft.

Einer sagte: "Wie denn? Jetzt schon?
Ist das wirklich denn schon heut?
Heute g'rade passt es gar nicht.
Sonst hätt' es mich sehr gefreut."

Und dann war da noch der eine,
dem es gar nicht peinlich war,
der noch nicht mal die Tür öffnet.
Hinterm Fenster schaut er zwar.

Ziemlich sauer war der Hausherr,
denn das hätt' er nicht gedacht
von den Freunden, von den Gästen,
dass sie das mit ihm gemacht.

Zornig sprach er zu dem Diener:
"Geh hinaus in unsre Stadt.
Geh auf Plätze und in Gassen,
wo es wirklich Arme hat.

Lade Krüppel, Blinde, Lahme,
lade alle Armen ein.
Herzlich sind sie mir willkommen!
Sie soll'n meine Gäste sein!"

Und der Diener, wie befohlen,
geht und lädt sie zu dem Fest.
Viele freuen sich und kommen.
Keiner ist dadurch gestresst.

Doch der Knecht bemerkt zum Hausherrn:
"Noch ist Platz in unserm Saal.
Und das Essen ist längst fertig.
Noch gibt's Plätze im Lokal!"

"Na, so lauf schon!" sagt der Hausherr.
"Geh hinaus und lade ein
an den Hecken und den Zäunen,
nötige sie nur herein.

Ich freu mich auf diese Gäste,
denn sie nehmen sich die Zeit,
um mit mir das Fest zu feiern.
Ach, ich bin die andern leid.

Keiner derer, die zum Essen
ursprünglich geladen war'n,
sollen schmecken diese Mahlzeit,
denn sie haben es vertan.

Gäste, die sich freuen können,
Gäste, die hier glücklich sind,
sind die liebsten mir im Hause,
Frauen, Männer oder Kind.

Platz genug hab ich zu Hause!
Geh an alle Ecken 'raus!
Mit Behinderten und Armen
werde voll mein ganzes Haus!"

Selig sind im Reiche Gottes,
wer dort isst das Lebensbrot!
Doch, wer keine Zeit für Gott hat,
der verkennt das Angebot.

LUKAS 14,15-24

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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