DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DROHENDE ARBEITSLOSIGKEIT

Nein, ich habe keine Lust zu betteln.
Und auch handwerklich bin ich nicht g'rad geschickt.
Wenn ich meine Arbeit jetzt verliere,
dann bin ich vorerst erledigt und geknickt.

Mein Chef sagt mir, er müsst mich entlassen.
Böse Zungen raunten ihm, ich wäre schlecht,
ich verschleuder' das, was ich verwalte;
und das sei ihm doch bestimmt nicht recht.

Ich soll meine Arbeit jetzt beweisen.
Sonst steht mir fristlose Kündigung ins Haus.
Aller Ämter will er mich entheben.
Sollte das passieren, ist es mit mir aus.

Was kann ich in dieser Lage tuen?
Ganz falsch sind die bösen Vorwürfe auch nicht.
Untätig will ich mich nicht ausruhen,
weil ansonsten alles gegen mich nur spricht.

Ich weiß, was ich heute Morgen mache.
Ich will schauen, wer beim Chef noch Schulden hat.
Alle rufe ich zu mir ins Zimmer,
und dann finden einzeln die Gespräche statt.

Und ich frag sie, wie viel sie noch schulden.
Sagt er "Hundert", schreib ich fünfzig aufs Papier.
Noch hab ich das Recht als sein Verwalter,
ja, solang es geht nutz' ich die Stellung hier.

"Wie viel Schulden?" - frage ich den Nächsten.
Und er nennt mir eine ziemlich hohe Zahl.
Ich will zwanzig Prozent dir erlassen.
Bei dem Abschied dankt er mir viel tausendmal.

Ich will mir bei ihnen Freunde machen.
Denn, wenn ich einmal aus diesem Posten flieg,
hoffe ich, dass sie sich dran erinnern,
und ich auch von ihnen Unterstützung krieg.

Ich erlasse ihnen ein paar Schulden.
Dann stimmt wirklich, was man über mich gesagt:
Ich bin freigiebig und auch barmherzig,
auch wenn dieses meinem Chef nicht ganz behagt.

Doch was sagt jetzt g'rad mein Arbeitgeber?
Er bewundert, was ich tat und tadelt nicht.
Ich hätt' klug in dieser Welt gehandelt,
sogar klüger, sprach er, als ein Kind vom Licht.

Und er schloss mit einer kurzen Rede:
"Macht euch Freunde mit dem schlechten Götzen Geld.
Ja, man sollte die Finanzen nutzen,
dass die Freundschaft bleibt, auch wenn der Kurswert fällt.

LUKAS 16,1-9

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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