DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
DER REICHE MANN

Sieben Häuser hat er zu vermieten,
ein Stück Wald und fünfzig Hektar Land.
Keiner konnte ihn hier überbieten.
Er war überall als reich bekannt.

Die Fabriken hat er von dem Vater.
Schon als junger Mensch hat er geerbt.
Es lief alles bestens durch Berater.
In Bilanzen war nichts schöngefärbt.

Er bemühte sich um Wohlverhalten.
Alles lief bei ihm äußerst korrekt.
Sehr viel Arbeit hat er mit Verwalten.
Seine Kraft hat er hineingesteckt.

Seinen Reichtum hat er sehr genossen.
Wie viel Achtung brachte ihm das ein.
Er war einer von den großen Bossen.
Niemals fehlte auf dem Tisch der Wein.

Mit den Freunden hat er gern gefeiert.
Immer wieder gab er einen aus.
Es war herrlich, tanzten sie verschleiert
und erfüllte die Musik das Haus.

Mit dem Reichtum konnt' er Gutes tuen.
Wenn er gab, dann fühlte er sich gut.
Darauf konnte sein Gewissen ruhen.
Doch er gab auch nicht im Übermut.

Trotz des ganzen guten reichen Lebens
blieb in ihm die Unzufriedenheit.
Alles, was er tat, schien ihm vergebens.
Lohnte sich dafür die Kraft und Zeit?

Nicht für ewig hatte er die Schätze.
Geld und Reichtum bleiben vor dem Grab.
Wie oft sagte er sich diese Sätze.
Doch er wusste nicht, was es sonst gab.

Lebenskünstler waren immer selten.
Einmal traf er einen solchen Mann,
dieser zählte zu den Auserwählten,
dem man jede Frage stellen kann.

"Guter Meister!" - fing er an zu sagen,
"Guter Meister, was muss ich denn tun?
Ich will nach dem ew'gen Leben fragen,
wie erreiche ich es, sag's mir nun."

Jesus, dieser auserwählte Eine,
fragte jenen: "Was nennst du mich gut?
Gut ist Gott; und dieser ganz alleine!
Ewig lebt, wer seinen Willen tut.

Du kennst sicher alle zehn Gebote:
Töten, stehlen, lügen - sollst du nicht!
Eltern lieben - hält die Welt im Lote.
Gott will nicht, dass eine Ehe bricht."

Doch entgegnete darauf der Reiche:
"Alles das tat ich von Kindheit an.
Von Geboten Gottes ich nicht weiche.
Alles was ich konnt', hab ich getan."

Jesus aber gab darauf zu denken:
"Etwas fehlt dir! Alles was du hast,
das sollst du verkaufen und verschenken!
Gib's den Armen und sei ohne Last!

Du wirst einen Schatz im Himmel haben!
Komm doch mit! Komm, folge du mir nach!"
Dieser Wunsch hat jenen untergraben,
und man sah, wie er zusammenbrach.

Sein Besitz war seine ganze Stütze.
Ohne den, da galt er doch als Nichts.
Ohne Geld, - zu was war er dann nütze?
Er wurd' traurig, dessen angesichts.

Nein, dann fehlten alle Sicherheiten.
Schatz im Himmel, der schien hier nichts wert.
Und dann fehlten die Annehmlichkeiten,
die der Reichtum ihm bisher beschert.

Und die Trauer wurde immer schlimmer,
weil er merkte, das ist sein Problem:
Abhängig war er vom Geld für immer!
Und der Himmel schien ihm unbequem.

Jesus sah, er traf ihn in dem Herzen.
Traurigkeit sah er in dem Gesicht.
Jesus fühlte seine großen Schmerzen,
wie die Welt in ihm zusammenbricht.

Jesus sprach: "Wie schwer erreichen Reiche
Gottes Reich, den großen Himmelsschatz.
Ja, es passt, dass ich's damit vergleiche:
Ein Kamel hat eher dafür Platz,

dass es durch ein Nadelöhr sich zwänge,
als ein Reicher kommt in Gottes Reich.
Für die Reichen ist das Reich zu enge."
Die das hörten, fragten ihn sogleich:

"Welcher Mensch kann dann noch selig werden?
Wer hat dann bei Gott im Himmel Platz?"
"Gott ist's möglich, was hier nicht auf Erden
möglich ist! Merkt euch den letzten Satz!"

LUKAS 18,18-27

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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