DAS LUKASEVANGELIUM IN (KREUZ-)REIMEN

 "Verdichtet" von Pfarrer Martin Becker
 
RANDFIGUR

Auf dem kalten, nackten Pflaster
saß der arme blinde Mann.
Vor ihm stand der kleine Teller.
Und er hatte nicht viel an.
Nur der vielgeflickte Mantel
und der alte, braune Rock
waren sein Besitz geblieben -
und der lange dünne Stock.

Jeden Tag saß er dort bettelnd,
jeden Menschen sprach er an,
ob er ihm nicht ein paar Münzen
in den Teller legen kann.
Viele Menschen gaben gar nichts,
manche legten etwas rein.
Jedes Mal, wenn er dann fühlte,
wollte er zufrieden sein.

Viele hat er an den Stimmen
und an ihrem Schritt erkannt.
Mancher hielt mit ihm ein Schwätzchen.
Mancher ist vorbeigerannt.
Keiner wollte ehrlich wissen,
was er fühlte, wie's ihm ging.
Seine trüben, blinden Augen
machten ihn zum Sonderling.

Eines Tages hört er Stimmen,
hört ein richtiges Geschrei.
Viele Menschen zogen lärmend
Richtung Jericho vorbei.
Und er fragte, was denn los wär'?
Ganz begeistert, wie es schien
gaben sie ihm dann zur Antwort,
Jesus würd' vorüberzieh'n.

Keine Frage, dieser Jesus
war vom Hören längst bekannt.
Oftmals wurde auch sein Name
wenn's um Heilung ging genannt.
Auch der Blinde hatte öfter
schon von diesem Mann gehört,
und er ahnte, das was jetzt käm',
dass das manchen Menschen stört.

Denn er schrie so laut er konnte:
"Jesus, du, der Davidssohn,
ach, erbarme du dich meiner!" -
so rief er mit lautem Ton.
Doch die Leute, die dort gingen,
drohten ihm: "Sei du nur still!"
Einer sagte: "Halt die Klappe,
weil ich Jesus hören will."

Hatte er schon trübe Augen,
hatte er schon große Not,
wollten sie sein Stimmrecht rauben,
machten sie ihn gar mundtot.
Doch auch wenn die Augen blind warn
eines konnte er sehr gut:
Seine Stimme war phantastisch
und er hatte großen Mut.

Deshalb schrie er um so lauter!
"Jesus, du, der Davidssohn!
Komm, erbarme du dich meiner!" -
rief er in die Prozession.
Trotz der vielen hundert Menschen,
trotz der Menge um ihn īrum
rief und rief er, immer lauter.
Jeder sah sich nach ihm um.

Jesus hörte seine Rufe,
und er bat dann: "Führt ihn her!"
Endlich schwieg der Blinde stille;
für ihn gab's kein Halten mehr.
Von dem Platz am Straßenrande
führt man ihn zu Jesus hin,
quer durch diese Menge Leute,
plötzlich stand er mitten drin.

"Na, was willst du?" fragte Jesus,
"Was soll ich jetzt für dich tun?"
"Er fragt echt" - das fühlt der Blinde,
und so antwortete er nun:
"Ich will sehen, ich will schauen!
Herr, mach, dass ich sehen kann!"
Um sie īrum wird alles stille,
jeder hält den Atem an.

Jesus sprach: "Du wirst jetzt sehen,
denn dein Glaube macht gesund.
Dir hat dein Vertrau'n geholfen.
Ab jetzt wird dein Leben bunt."
Und er sah, - er sah die Farben, -
sah den Menschen ins Gesicht,
er sah Bäume, Häuser, Berge;
in ihn strömt das helle Licht.

Er erblickt das Licht der Welt neu,
er sieht Jesus vor sich steh'n.
Er lobt Gott, er singt und jubelt,
und er will mit Jesus geh'n.
Jeder, der das miterlebte,
lobte Gott und ehrte ihn.
Und den vormals blinden Menschen
sah man dann mit Jesus ziehn.

LUKAS 18,35-43

Alle Rechte vorbehalten
Copyright 2002 beim Autor Martin Becker, Kassel

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