Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.

aus dem Lobgesang der Maria: Lukas 1, 46
Liebe Gemeinde!

Die Erwartungen an Weihnachten sind hoch: An Weihnachten soll alles schön sein. Niemand soll sich streiten, niemand alleine sein. Weihnachten ist das Fest des Friedens und der Liebe. Wenn Menschen viele Hunderte von Kilometern fahren, um sich zu Weihnachten zu sehen, erwarten sie all' dies und noch viel mehr, z.B. eine besondere Festlichkeit mit Weihnachtstraditionen und Bräuchen oder auch das Leuchten in den Augen der Kinder, die sich so sehr auf Weinachten gefreut haben.

Die Kirche hat ebenfalls besondere Erwartungen an Weihnachten, etwa dass die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten eine besinnliche sei. Die Kirche wünscht sich, dass die Anbetung des Kindes, das Hören auf die Weihnachtsbotschaft nicht nur in den Gottesdiensten im Mittelpunkt stehen. Die Wirtschaft wiederum erwartet von Weihnachten höheren Umsatz und Konsum und die Hilfsorganisationen Spendenfreudigkeit. All' dies prägt die Erwartungen zur Weihnacht.

Die Welt, in der wir leben, ist eine friedlose Welt. Die Diskrepanz zwischen Weihnachtsbotschaft und Wirklichkeit ist zu groß. Irgenwo in ihrem Innern erwarten viele Menschen, dass sich diese Diskrepanz verringert und wirklich Frieden auf Erden werde. Alles, was wir von Weihnachten erwarten, erwarten wir von uns selbst, von den Mitmenschen, von den Politikern. Demgegenüber beeindruckt es mich, wie sehr Maria ihre Erwartungen nicht auf sich selbst, sondern auf Gott setzt. Sie erwartet alles von Gott und nichts von den Menschen:

"Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat große Dinge an mir getan. Er zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern. Er gedenkt der Barmherzigkeit."

Für mich ist das Faszinierendste an der Weihnachtsbotschaft, dass Gott zu uns in einem neugeborenen Kind kommt. Alles Menschliche, Irdische wird in einen wunderbaren Anfang mit hineingenommen. Die Weihnachtsbotschaft verheißt uns: fortan ist Gott mitten unter uns.

Mein größter Wunsch zur Weihnacht 2004 und für das neue Jahr ist: Dass auch wir alle Erwartungen auf Gott setzen können so wie Maria. Dass wir glauben können, er schenkt auch uns Zukunft, am Anfang und am Ende unseres Lebens. Er ist ein barmherziger, ein den Menschen Frieden bringender Gott.

Lesen Sie doch jetzt im Advent, bevor wir dann an Weihnachten die Friedensbotschaft hören werden, das großartige Magnifigat der Maria aus Lukas 1, 46 - 55 und erwarten Sie, so wie Maria, anstatt von ihren Mitmenschen alles von Gott.
 
Ihre Pfarrerin Astrid Thies-Lomb


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